Martin Bugelmüller – a Shyster gone astray

Linz, Oö. — Es bleibt nicht erspart, sich erneut dem Absurditäten-Kabinett zuzuwenden.
Österreichs Parade-Advokat, Martin Bugelmüller, steht vor einem Dilemma. Er benötigt dringend an die 28.000 Euro, die das AMS von ihm zurück haben will. Das Verfahren der Rechtsanwaltskammer gegen ihn wird sicher nicht weniger kosten. Von früheren Schulden ganz zu schweigen. Wie also rasch an Geld kommen? Nicht immer findet man so schnell ein paar Drogendealer, die ihn als Rechtsbeistand haben wollen.
Was immer Bugelmüller versucht, er geht aufs Ganze. Verleger und Fachbuchautor ist es nun. Stante pede erweist er der Leipziger Buchmesse die Ehre. Man freut sich sehr, bewundert ihn, komplimentiert ihn. Doch nach langem Überlegen entscheidet sich die Jury für einen anderen Österreicher – im Unklaren, ob Bugelmüllers Werke PISA-Standards entsprechen.
Daheim, im kalten Österreich, das ihn so unfreundlich behandelt, war er nicht weniger umtriebig. In wenigen Tagen steht sein großer Auftritt vor dem Landesgericht Steyr bevor. Wo er endlich die lang ersehnte Gelegenheit erhält, alle seine Universitätszeugnisse vorzulegen. Zu beweisen, daß ihm die Rechtsanwaltsordnung gestattet, auch als nicht zugelassener Anwalt gemeinnützig zu sein, als Rechtsvorsteher und Rechtsbeistand sein umfangreiches Fachwissen in bare Münze umsetzen zu dürfen. Wie er das doch herbeisehnt!
Um auch jeden Verdacht auszuschalten, wechselte Martin Bugelmüller heimlich, still und leise Namen und Zweck seines Vereins aus. Nicht mehr »Juridicum Rechtschutzgruppe – Verein zur Aufrechterhaltung von Recht und Gesetz in Österreich« durfte es heißen. Aufrechterhaltung von Recht und Gesetz liegt ihm so gar nicht. Sondern stolz präsentierte er den Vereinsnamen »Juridicum Rechtschutzgruppe – Verein zur Förderung benachteiligter Kinder in Österreich«. Auf der Webseite wird es zu »Juridicum Rechtschutzgruppe e.V.« abgekürzt, auf ein korrektes Impressum verzichtet. Flexibilität ist gefragt.
Selbstverständlich sagte ihm niemand, daß es dazu eigentlich eines Beschlusses einer Generalversammlung bedurft hätte. Doch da hätte man Mitglieder einladen, einen Saal reservieren, sich Fragen gefallen lassen, Revisoren vorstellen müssen – nur das nicht. Der kleine Haken an der Sache: Einen Vereinsnamen darf man nicht so einfach wechseln, wie ein Handtuch. Zumindest die Vereinsbehörde wäre vielleicht daran interessiert gewesen, hätte aber unbequem nach einem Versammlungsprotokoll fragen können.
Die Bundespolizei Wels war schon bisher lästig, hatte Bugelmüller sogar gezwungen, einen Vorstand zu benennen. Das ihm, der doch eins ist mit dem Verein! Überall Obmann als Beruf angibt! Also wurde nun offiziell der Vereinssitz auf Steyr geändert. Hm, war da nicht etwas? Weshalb war denn Wels gewählt worden? Schon vergessen, Bugelmüllers früherer Verein war von der Bundespolizei Steyr amtlich aufgelöst worden, die Referatsleiterin kocht noch jetzt. Ihre Kollegin in Wels atmete laut auf, schickte den gesamten Akt postwendend – nach Steyr. Dunkelschwarze Gewitterwolken türmen sich nun über dem Schloß Lamberg.
Martin Bugelmüller verkündete stolz die Gründung des vereinseigenen Verlags Verlex. Den er je nach Laune auch Verlag Juridicum nennt. Wie wird es diesem armen Verlag ergehen, wenn der Donner aus Schloß Lamberg auf Münichholz niederschlägt?
Da weiß Martin Bugelmüller sofort einen probaten Ausweg, den er schon mehrmals versucht hatte. Gründung einer Limited-Gesellschaft in Großbritannien. Gesagt, getan, am 14. März wird beim Companies House in Cardiff, unter der Nummer 7563134, die »Juridicum Rechtschutzgruppe Handels- und Vertriebs Ltd.« angemeldet. Diese Gesellschaft solle für den Vertrieb an Buchhandlungen zuständig sein. Auch da fehlt die Liebe zum Detail.
Bugelmüller, in Österreich wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs und betrügerischer Krida vorbestraft, darf hier kein Gewerbe ausüben. Natürlich auch nicht als Verein getarnt. Was ihm entfallen sein dürfte: Seine Missetaten scheinen selbstredend auch bei den britischen Behörden auf. Die Registrierung und ihre Umstände gingen daher gleich einmal an die zuständigen Rechtsbehörden. Bei denen ein weiteres Problem mit Bugelmüller auf Lager liegt. Denn der dachte sich schon früher, durch die Anmeldung einer Firma in Großbritannien und die Führung der Firma in Österreich könnte man sich in beiden Ländern Steuern ersparen.
Die Firmen gehen weg wie die warmen Semmeln, 400 britische Limiteds haben wir schon in Österreich verkauft“, sagte Bugelmüller damals. Die Vorteile der Ltd.: Nur zwei Pfund (3,23 Euro) Firmenkapital müssen einbezahlt werden und man habe “keine Haftung”. Für 3000 Euro vermittelte der Steyrer die Eintragung samt Übersetzung der Papiere und britischen Adresse. Im Folgejahr kostet die Firmenadresse 1090 Euro. Ein satter, unversteuerter Gewinn also. Zu Vorwürfen meinte Bugelmüller, “Ich bestreite das aufs Schärfste“. Es handle sich um falsche Beschuldigungen, die ihm sogar eineinhalb Wochen U-Haft einbrachten. “Zu einer Anklage kann es schon kommen, aber der sehe ich gelassen entgegen“, so Bugelmüller noch vor wenigen Jahren.
Das Landesgericht Steyr sah die Gelassenheit umgekehrt. Kaum war Martin Bugelmüller gerade wieder aus der Haft entlassen, noch unter Bewährung, hatte er am 9. Juli 2009 die nächste Verurteilung weg, unter 13 Hv 35/09f. Und schon wieder, am 21. Juli 2010 die nächste, unter 11 Hv 79/10p. Die OGH-Entscheidungen (siehe unten), mit denen seine Nichtigkeitsbeschwerden hinweg gefegt wurden, feiert Bugelmüller in seinem Internet-Spielzimmer als großen Obsieg.

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Das Finanzstrafgesetz ist ein Hund, der bitter beißen kann. Und sicher keine Freude damit hat, wenn Bugelmüller, dem jede Lernfähigkeit fehlt, immer von neuem in die gleichen Löcher tappt. Wenn er weiter meint, durch Firmen-Registrierungen in Großbritannien tricksen zu können. Dabei sollte er den Satz “wobei es ihm darauf ankam, sich durch wiederholte Begehung der Taten eine fortlaufende Einnahmequelle zu verschaffen“, mittlerweile doch schon zur Genüge kennen.
Martin Bugelmüller ist also nicht in der Lage, seine Angelegenheiten ohne Nachteil für sich zu besorgen. Sonst würde er längst einer ehrlichen Arbeit nachgehen, nicht ständig vor dem Kadi stehen. Nicht schon weit über 400.000 Euro an Schulden angehäuft haben. Der einzige, der das anscheinend nicht so sieht, ist Richter Helmut Neuhauser. Bugelmüller beschafft sich gern Daten über andere aus dem Gerichtsregister. Sein eigenes, unter 17 P 174/09x, läßt erstaunen. Dort fehlt eine Anzahl von Anregungen auf die mögliche Notwendigkeit einer Besachwaltung. Wurden nicht alle eingetragen? Ruf- und Fragezeichen bei des Richters Bemerkungen wirken nicht weniger ungewöhnlich in einem Verfahrensregister.
Nehmen wir es gelassen. Kein Sachverständiger hätte Freude daran, Martin und seine tristen Verhältnisse begutachten zu müssen.
Immerhin, sein Freund und Web-Zampano Roland Reichmann bescherte Bugelmüller ein nettes Geschenk. Früher hatte Bugelmüller Administratorrechte in dem von Reichmann betriebenen, berüchtigten Genderwahn-Forum, das vielen Amtspersonen makabre Berühmtheit verschaffte. Konnte sich dort unter einem Dutzend Nicks austoben, mit Huiii und Hossa, mit sich selbst konversieren. Nun erhielt er sein eigenes Forum, ganz für sich allein, wo “juri” Bugelmüller keine einzige Gegenrede, keine Blamage zu befürchten braucht. Der Spieltrieb obsiegt.
Die Namensänderung, auf einen Verein zur Förderung benachteiligter Kinder in Österreich, war nicht uneigennützig. Mit einer besseren Erziehung hätte man vielleicht auch aus Martin Bugelmüller etwas machen können. Wäre er nicht schon seit 14 Jahren permanent im Visier der Polizei. Auch seinen Kindern wäre es lieber, statt in der Kronenzeitung vorgeführt zu werden, sich eher nicht anhören zu müssen, “Dein Papa sitzt im Häfen, bää“.
Auf Xing sucht Bugelmüller nun “Familien, die finanzielle Probleme bzw. Probleme mit der Bestreitung von finanziellen Aufwendungen haben, dies im Zuge einer Erkrankung oder eines Schicksalsschlages zu Lasten der Kinder, um ihnen einen lange gehegten Traum erfüllen zu können. Ferner die Erfüllung einer Therapie oder Ähnliches!” Sehr deutlich, zu deutlich, klingt das nach Bugelmüllers eigenen Verhältnissen. Der lang gehegte Traum seiner Kinder, mit seinen Betrügereien aufzuhören, endlich eine Therapie zu machen, ist zu realistisch, um übersehen zu werden.
Martin Bugelmüller nennt sich auf Xing übrigens “Sollizitator“. Darunter wurde früher der Bürovorsteher einer Anwaltskanzlei verstanden. Im Englischen bedeutet Solicitator allerdings Anwalt, darauf zielt seine Bezeichnung ab. Bugelmüller war nie Bürovorsteher oder Anwalt. Doch die Wahrheit ist nicht das einzige, mit dem er auf Kriegsfuß steht.
Anstatt also ein paar Euro pro Fachbuch zu spenden, sollte Bugelmüller lieber seine eigenen Finanzen und seine eigenen Verhältnisse in den Griff bekommen. Denn Fachbücher, die aus Bugelmüllerschen Entscheidungs-varianten und sprachlich ungenügenden Begleittexten bestehen, werden sich kaum so zahlreich absetzen lassen. Auch dann nicht, wenn er seine Sekretärin Jasmine F. als zuständig für “Einkauf, Verkauf, Kundendienst, Buchvertrieb” benennt. Zuständig für rein Geschäftliches? Bei einem Verein? Klar und unabwendbar, wenn der Verein als Firma geführt wird, deren Chef sich stolz als “Führungskraft” bezeichnet und lieber Fachbücher skizziert, statt ehrlich zu arbeiten. Ob die gute Jasmine auch bei der Sozialversicherung angemeldet ist, sagt Bugelmüller nicht dazu.
Ausreichende Zahlungsfähigkeit von Martin Bugelmüller vorausgesetzt, wird sein Gönner und Kanzleipartner Christoph Rogler, wie es aussieht, noch die nächsten Jahre mit ihm ausgelastet sein. Wenn ihn die Rechtsanwaltskammer läßt.

(Graulicht)

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