Wie Brüssel den Winter besiegt, und was Linke niemals tun

Der kommende Winter wird schon wieder so ein bitter kalter. Den Verdacht hegten wir ja schon, als wir die vielen Eicheln, Nüsse und Bucheckern im Wald gesehen haben – nach alter Weisheit ein untrügliches Zeichen dafür, dass es ganz dicke kommt. Nun aber wollen britische Forscher eine Methode entwickelt haben, mit der man solche Vorhersagen auch wissenschaftlich treffen kann. Es hat mit der UV-Strahlung der Sonne zu tun. Und aus der derzeitigen Strahlung lasse sich ableiten: Es wird wieder kalt in Nord- und Mitteleuropa.
Dagegen muss man was tun. Bloß was? Gefütterte Fäustlinge kaufen und Streusalz bunkern lindert ja bloß die Symptome. Das Beste wäre, wir fänden eine europäische Lösung für das Winterproblem. Denn nationale Alleingänge, das lehrt die leidvolle Geschichte, führen ins Verderben.
Was Brüssel gegen die garstigen Minusgrade unternehmen wird, schält sich bereits heraus: Bis spätestens Ende November sind sämtliche Thermometer im Geltungsbereich des Lissabonner Vertrages zu vernichten. Keine Thermometer, keine Minusgrade – Krise abgewendet! Quatsch? Kalt wird es auch ohne Quecksilber? Ja, schon: Aber wenn es keine Zahlen mehr gibt, die die Kälte anzeigen, dann beunruhigt sie auch niemanden mehr. Sollte dennoch einer behaupten, die Luft sei arktisch, kann man das dann als wüste Spekulation destruktiver Kräfte abtun.
Mit derselben genialen Methode will die EU bereits die Schuldenkrise bewältigen: Den Rating-Agenturen soll verboten werden, Bonitätsnoten für Länder zu verteilen, weil die immer mieseren Noten die Märkte beunruhigen. So schallt es dieser Tage aus Brüssel. Ganz ernsthaft. Die Logik ist die gleiche wie beim Thermometer-Zerschlagen gegen die Kälte.
Solche Wundertaten häufen sich in Brüssel. Die Erfahrenen unter uns ahnen, woher der neue Wunderglaube rührt: Ältere Deutsche erinnern sich gut daran, dass die Aussichten schon einmal immer phantastischer wurden in dem Maße, wie der Zusammenbruch näherrückte. Waren auch ziemlich kalte Winter damals.
Heute erzählt man uns immer märchenhaftere Dinge über den sogenannten Rettungshebel, der alle Gefahren wegblasen werde: Da schießen mit einem majestätischen Knall Milliarden und Billionen aus dem nebligen Nichts, retten mal eben den halben Kontinent und verschwinden danach ebenso kostenlos, wie sie erschienen sind. David Copperfield kann einpacken! Als nächstes lernen Europas Schweine fliegen.
Und wenn das mit dem Hebel nur ein Trick ist? Dann muss er tatsächlich gut sein: Berlin scheint wirklich zu glauben, dass sich das Haftungsrisiko für die deutschen Steuerzahler um keinen Cent erhöht, wenn wir aus 440 Milliarden Euro Rettungsgeld im Handumdrehen Billionen machen. Oder lügen die uns etwa an? Ach nein, vielleicht haben sie bloß vergessen, uns irgendein Detail mitzuteilen, welches das Unerklärliche erklärlich machen würde.
Womöglich ist diese entscheidende Information auch einfach nur irgendwo hängengeblieben und taucht dann genau in dem Moment wieder auf, wenn nichts mehr zu ändern ist. So läuft das in Europa-Sachen ja dauernd.
Was soll’s, gelegentlich stockt der Informationsfluss eben, da kann man nichts machen. Vor allem, wenn man an die Schleusen des Flusses einen Fachmann gesetzt hat wie Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Der redet eigentlich gern und kann vieles sagen. In Gegenwart seiner Chefin fällt ihm laut Berliner Flurfunk indes nie viel mehr ein als das Wörtchen „Ja“.
Von Ja-Sagern umgeben zu sein schafft eine gewisse Ruhe im Büro. Kanzlerin Merkel legt, wie es heißt, großen Wert auf hundertprozentige Gefolgschaft, weshalb ein anderes Wort als „Ja“ schnell zum Verlust ihrer Gunst führen kann. Auf die ist Pofalla aber angewiesen, weil er draußen im Getümmel nicht sonderlich beliebt ist, was Gründe hat, die wir nicht weiter erläutern müssen. Horst Seehofer kennt sie alle und jetzt noch einen dazu. Tagelang randalierte der CSU-Chef durchs Unterholz der Koalition, weil ihn Pofalla nicht in die Steuerpläne von CDU und FDP eingeweiht hatte, die der Schäuble mit dem Rösler dann ohne Seehofers Wissen verkündet hat.
Es sei alles ein schreckliches „Missverständnis“, versuchen Merkels Leute den Rasenden zu zähmen. Das ist Seehofer denn doch ein bisschen zu allgemein, weshalb er sich davon auch nicht wirklich beruhigen lässt.
Wie das fatale „Missverständnis“ entstanden ist, kann sich jeder denken, der den Minister Pofalla genauer beobachtet hat. Wir haben die Szene deutlich vor Augen: Merkel und Pofalla im Kanzleramt. Merkel: „Schönes Wetter heute?“ Pofalla: „Ja, Frau Bundeskanzlerin.“ Merkel: „Manchmal frage ich mich, warum ich so eine Knalltüte wie Sie eigentlich ernähre. Fragen Sie sich das nicht auch?“ Pofalla: „Ja, Frau Bundeskanzlerin.“ Merkel: „Ach ja, haben Sie dem Seehofer eigentlich das mit den Steuersenkungen erzählt?“ Pofalla läuft fleckig an, murmelt leise „verdammt, verdammt“. Merkel: „Was haben Sie gesagt?“ Pofalla: „Jjjjja, Frau Bundeskanzlerin.“ Merkel, miss­trauisch geworden: „Und? Was hat er geantwortet?“ „Ja, Frau Bundeskanzlerin.“ „Na, dann machen Sie sich mal nützlich, Sie Pfeife, und sagen Rösler und Schäuble, sie sollen das an die Presse geben.“ „Ja, …“
Von da an ging’s bergab: Man mochte den Eindruck gewinnen, da fürchtet jemand, die dauernden Euro-Streitereien könnten den Gassenhauer „Koalitionskrach“ von der Bühne verdrängen. Denn in der Sache sind sich CDU und FDP mit der CSU ja vollkommen einig: Pünktlich zum Wahljahr muss eine kleine Steuerentlastung her. Es ist also ein ganz und gar „reiner“ Streit, Kunst um der Kunst willen.
Das wenigstens ist ja mal ein Grund zum Aufatmen in dieser chaotischen Zeit. Einen weiteren Grund zum Aufatmen lieferte die Berliner Polizei: Endlich hat sie einen der Serienbrandstifter gefasst, welche die vielen Autos abfackeln. Erleichterung löste vor allem die Diagnose aus, dass es sich bei dem 27-Jährigen nicht um einen Linksextremisten handelt. Er sei unpolitisch und habe bloß aus Abneigung gegen Leute gezündelt, die einer höheren sozialen Schicht angehören als er.
Eine interessante Neuigkeit, insbesondere, wenn man sie zu Ende denkt: Wenn Klassenhass nichts mehr mit Linksextremismus zu tun hat, ist dann Rassenhass auch nicht mehr rechtsextrem? „Der Täter ist als unpolitisch einzustufen. Er handelte nämlich nicht aus rechtsextremem Gedankengut heraus, sondern nur aus Abneigung gegen Leute, die anderen ethnischen Gruppen angehören als er.“
Gegen einen linken Hintergrund bei den Brandstiftungen spricht laut Berliner Polizei auch, dass bei den Feuern Menschenleben gefährdet wurden – etwa, wenn die Flammen auf Wohnhäuser übergriffen. Ein Kriminalbeamter zur „Welt“: „Es war klar, dass diese Taten nicht auf das Konto von Linksextremisten gehen, diese würden den Tod Unschuldiger nicht in Kauf nehmen.“
Eine tröstliche Einsicht. Allerdings müssten wir uns wohl ganz neu darüber verständigen, was wir mit dem Wort „Unschuldiger“ eigentlich meinen. Vor allem einige Leute mit Familiennamen wie Ponto, Schleyer oder Buback, Karry, Herrhausen oder Rohwedder dürften sich brennend für die Antwort interessieren.
Ach was, ist doch ganz einfach: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Das kann man auf jeder Antifa-Plattform nachlesen. Insofern handelt es sich bei den von den Linken als „Faschisten“ entlarvten Zeitgenossen grundsätzlich nicht um Unschuldige, sondern um Verbrecher. Und die mit den genannten Familiennamen waren allesamt Handlanger und Profiteure des faschistischen Schweinesystems, wie unser Staat von den Fortschrittlichsten der Fortschrittlichen getauft wurde. Endlich hat das auch die Polizei kapiert.

(Hans Heckel, PAZ)

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