Steuerpflicht – Aus Purger’s Sicht

Einfach zu gut, um verborgen zu bleiben.

Unsere Kampagne: Weg mit der Steuerpflicht!

Gestützt auf unsere millionenfache Leserschaft wollen auch wir vom politischen Fegefeuer jetzt eine Kampagne starten. Das ist einfach die Krone unseres bisherigen Daseins.
Thema ist uns zunächst keines eingefallen, aber warum nicht: Weg mit der Steuerpflicht? Das Wort „Pflicht” klingt immer schlecht und gestrig, Steuern zahlt auch keiner gern, also: Weg mit der Steuerpflicht!
Dass derzeit keine Partei unsere Forderung unterstützt, sondern alle die Steuerpflicht als in Stein gemeißelt ansehen, ficht uns nicht an. Dieses Problem löst sich binnen drei Monaten von selbst. Das ist bekanntlich die Frist, innerhalb der die SPÖ vor jeder Medienkampagne einknickt.
Und was die Politik der ÖVP anlangt, so gilt nach langjähriger Erfahrung die eherne Formel „ÖVP-Politik = SPÖ-Politik plus sechs Monate”. Sodass bis Jahresende beide Regierungsparteien hinter unserer Forderung stehen werden: Weg mit der Steuerpflicht!
Wie macht man nun so eine Kampagne? Ganz einfach. Zunächst schreibt man hundert Mal: Weg mit der Steuerpflicht! Ab dem 25. Mal melden sich die ersten mediengeilen Hinterbänkler und schlagzeilen-entwöhnten Altpolitiker beim Redaktionsportier. Jeder, der fehlerfrei „Weg mit der Steuerpflicht!” sagen kann, bekommt eine schöne Schlagzeile. Ab dem 50. Mal werden dann schon die ersten Minister vorstellig, ab dem 75. Mal der Bundeskanzler: Weg mit der Steuerpflicht!
Flankiert wird dieses Schlagzeilen-Furioso durch waschkorbweise Leserbriefe. Einhelliger Tenor: Weg mit der Steuerpflicht! Das ist jetzt leider die Knochenarbeit an so einer Kampagne. Denn diese Leserbriefe muss man sich alle selbst schreiben. Seufz.
Keine Schwierigkeit bilden hingegen ablehnende Stimmen. Wer mit dem idiotischen Einwand daherkommt, dass die Steuerpflicht notwendig sei, um den Sozialstaat und den Staat überhaupt aufrechtzuerhalten, wird als Besitzstandwahrer und Reformverweigerer enttarnt und mit nicht unter 100 Leserbriefen bestraft. Außerdem lässt man vom Minister schnell Berechnungen anstellen, dass die Staatsfinanzen auch ohne Steuerpflicht genauso gut, wenn nicht sogar besser dastehen würden. Sind solche Berechnungen nicht vorhanden, muss sie der Minister halt selbst zusammenschustern.
Sollten hohe Beamte sich weigern, ihren Namen für diese völlig logischen Berechnungen herzugeben, reichen ein, zwei Schlagzeilen an den betreffenden Minister und der Beamte fliegt. Nicht vergessen: einige Dutzend böse Leserbriefe hinterherschicken.
Und schon sind wir unserem Ziel ganz nah: Weg mit der Steuerpflicht!

[Alexander Purger, http://mein.salzburg.com/blog/satire/2011/02/unsere-kampagne-weg-mit-der-st.html%5D

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