Shyster Martin Bugelmüller auf Wolke 14

Linz, Oö. — Der wohl bekannteste Winkelschreiber Österreichs, Martin Bugelmüller aus Steyr in Oberösterreich, scheint sich immer weiter vom Planeten Erde zu entfernen.
Sehr eng wurde es zuletzt. Als feststand, daß Bugelmüller seine Universitätsstudien nur vorgetäuscht hat. Als er mit der umfangreichen und sehr ausführlichen Klage der Rechtsanwaltskammer konfrontiert wurde. Als er erkennen mußte, daß es sehr ungesund ist, sich mit Leuten einzulassen, die ihm viel an Erfahrung voraus haben. Sein derzeitiger Verein, »Juridicum Rechtschutzgruppe«, steht nun im heftigen Feuer der Behörden; kein Wunder, wenn man einen Verein mit einer Firma verwechselt und so ganz unter der Hand Geld umsetzen will. Das mag bei den Drogendealern funktionieren, die Bugelmüller regelmäßig als Klienten anwirbt und deren Geld er nutzbringend verwirtschaftet, sonst aber eher nicht.
Eng werden deshalb die Finanzen. Der AMS will Bugelmüller die Bezüge sperren, weil er unwahre Angaben machte, seine Einnahmen aus dunkler Tätigkeit verschwieg. Die Finanz sitzt ihm im Nacken, weil er selbige Einkünfte nicht versteuerte. Die von ihm bei Gericht vorgelegten Belege über Unterhaltszahlungen klangen ebenfalls sehr zweifelhaft. Nicht nur, weil die Glaubwürdigkeit fehlt, daß jemand vom Konto einer Freundin der Exfreundin etwas überweist. Sondern auch, weil die Beträge nicht mit seinen Angaben übereinstimmten. Immer kann Bugelmüller nicht hoffen, daß seine Betrügereien verjähren, weil er seine zahlreichen Klagen bei unzuständigen Gerichten einbringt und es eine Weile dauert, bis der Zuständigkeits-Salat entwirrt ist.
Da wollte Martin Bugelmüller doch jetzt einen neuen Coup landen. Ein Buch auf den Markt bringen, über – ausgerechnet – rechtliche Schriftsatzmuster. Genau das, was ihm die Rechtsanwaltskammer als unerlaubt angekreidet hatte – verständlich für jeden, doch nicht für Martin Bugelmüller. Pech für ihn, die Verlagskontrolle und die Anwaltskammer reagierten rasch, die Sache wurde gestoppt. Der Winkelschreiber ist, das muß man ihm lassen, erfinderisch. Er erfand einen Eigenverlag, erfand einen neuen Bucheinband, der Preis schnalzte von 39 auf 90 Euro hoch, und natürlich wird die Sache nicht mehr persönlich vertrieben, sondern unter dem Deckmantel des Vereins. Pech für Martin Bugelmüller, auch das ist eine unerlaubte Geschäftstätigkeit.
Einen Verlag zu betreiben, bedarf es mehr, als eines Schreibtisches mit Ausblick auf ein Aquarium und eines Kontos von der Freundin. Es bedarf auch mehr als eines “Geschäftsmodelles”. Nämlich einer Firma. Die Bugelmüller nie schaffen wird, mit seinen kräftigen Vorstrafen. »Verlex« (von seinem eigenen Anwalt mit “Fairlex” umschrieben) soll der Heim-Verlag heißen. Der um heiße 25 Euro die durch Bugelmüller erstrittenen Urteile schildert. Der seine Fachbücher wohlfeil offeriert. Obwohl: vom Sprachlichen einmal abgesehen, steht Bugelmüller mit der Schriftsprache doch auf beharrlichem Kriegsfuß. Und dann gleich Fachbücher anbieten? Da Martin Bugelmüller mit ähnlichen Geschäftsmustern bereits wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs vorbestraft ist, wird sich auch den beauftragten Druckereien bald die Frage stellen, ob und wie sie zu ihrem Geld kommen.
Doch die Bredouille auf Wolke 14 ist noch nicht zu Ende. Martin Bugelmüller erhielt vom Bezirksgericht Steyr einen Unterlassungsbeschluß gegen seinen Lieblingsfeind geschenkt, das Gericht hatte Schwierigkeiten mit der Zuordnung der gesetzlichen Zuständigkeit. Nun posaunt Bugelmüller landauf, landab hinaus, die Entscheidung sei rechtskräftig. Das würde einem echten Juristen nicht passieren, für den ein Begriff wie “Rechtsmittel” selbstverständlich ist.
Doch was weiter: Martin Bugelmüller läßt einen kleinen Auszug dieser Entscheidung ins Englische übersetzen, schickt den Auszug durch die Lande, bedroht laufend Leute, die er nicht kennt – man findet das erstaunlich. Natürlich ohne Hinzufügung, daß eben die besagte Rechtskraft fehlt. Ganz unverdächtig wurde die Übersetzung vom Übersetzungsbüro Binder KG bei einem Salzburger Übersetzer bestellt, der sich klarerweise über die zusammenhanglosen Textteile und die riesigen Lücken dazwischen wunderte. Was Bugelmüller nur eben übersehen hat: Vom Gericht hatte er keine einstweilige Verfügung erhalten, wie er vermeinte. Also fehlt auch die sofortige Vollstreckbarkeit. Wie gesagt, juristische Kenntnisse wären manchmal ganz nützlich.
Mit einem ist Martin Bugelmüller gut: Er beschafft sich regelmäßig auf illegale Weise Informationen aus dem gerichtlichen Verfahrensregister, einer gerichtsinternen, elektronischen Datenbank. Nicht umsonst, versteht sich. Und auch hier wird es eng. Denn Bugelmüller veröffentlichte nun einen Beschluß, der nicht einmal noch dem Erstgericht bekannt und auch noch nicht zugestellt worden war. Eine sogenannte Sollbruchstelle war eingebaut worden, weil der Datenhunger des Winkelschreibers schon früher auffiel. Und prompt schnappte die Falle diesmal zu. Ein Verfahren mehr, darauf kommt es wirklich nicht mehr an.
Auch seine sonstigen Geldgeschäfte wird Martin Bugelmüller nicht mehr so leicht auf die Reihe bekommen. Bankkonto, PKW, Versicherung, jeweils auf einen anderen Namen; die offiziellen Ausgaben weit über den Einnahmen, hohe Schulden dazu, eine fünfstellige Rückforderung vom AMS – das geht nur so lange gut, als andere mitspielen. Der Wechsel einer Freundin zu einer anderen könnte das Spiel leicht platzen lassen. Darin hätte er eigentlich schon unangenehme Erfahrung. Und nicht jede Freundin ist so dumm, gleich alles hinzuschmeißen und sich ein Kind anhängen zu lassen.
Die Frage, die sich schön langsam stellt: Wird Martin Bugelmüller von Wolke 14 auf die Erde herabfallen? Oder wird er sich ganz in den freien Raum hinausbewegen? ISS sucht dringend einen Fensterputzer, und das AMS möchte ebenso dringend einen arbeitsscheuen Arbeitssuchenden anbringen.

(Graulicht)

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