Martin Bugelmüller – Shyster als Verleger

Linz, Oö. — Österreichs mit Abstand bester Winkelschreiber, aus Steyr in Oberösterreich, läßt keine Gelegenheit aus, sein Geschäftsmodell zu erweitern. Bisher verdiente er zwar ganz gut mit seiner Winkelschreiberei, titulierte sich als “nicht zugelassener Rechtsanwalt”, verlangte und erhielt teilweise wesentlich höhere Honorare als bei einem Anwalt zu bezahlen wären.Martin Bugelmüller meint, all das wäre rechtens. Betitelt seine Webseite kühn als

Rechtsportal gem. § 8 Abs. 3 RAO des gemeinnützig ausgerichteten Rechtsbeistandes
 

Dabei stört natürlich nicht, daß der Rechtsanwaltsordnung nicht das geringste Wort darüber zu entnehmen ist, weshalb ein Vorbestrafter gemeinnützig sein und als Rechtsbeistand tätig sein könnte. Gemeinnützig trotz Honorar? Na, so genau wird das nicht genommen. Die Einnahmen dienen schließlich dem sozialen Zweck des eigenen Lebensunterhalts. Wenn man das “gemein”nützig nicht unfairerweise noch anders auslegen wollte.
Mit dem Lebensunterhalt des notorischen Winkelschreibers Bugelmüller hapert es allerdings ein wenig. Eine hohe Schuldenlast aus früheren Tagen des Betreibens vorgetäuschter Firmen. Unterhaltsforderungen von Kindern, um die er sich nicht kümmert. Ein sehr ausgiebiges Verfahren der Rechtsanwaltskammer gegen ihn, das ihn einige zigtausend Euro kosten wird. In seinem Drang zu absoluter Offenlegung bringt Martin sogar empört die nächste Keule über seinem Kopf: “Geschmalzene 27.632,75 EUR fordert das Arbeitsmarktservice vom ehemaligen Leistungsbezieher zurück.” Internet- und Telefonkosten im vierstelligen Bereich, dazu eine muntere Lebensführung, lassen seinen Lebensunterhalt nicht einfacher werden.
Flugs stürzte sich Martin Bugelmüller daher auf die nächste Schiene. Verfiel auf die Idee, Fachbücher zu vertreiben. Zwar fehlt ihm das fachliche Wissen, die nötigen Sprachkenntnisse obendrein, doch meint er, dumme Käufer gäbe es immer. Leider nicht immer dumme Verlage. Wütend wirft Bugelmüller bei Books on Demand seinen Autorenvertrag hin, als die nach seiner Vergangenheit fragen. Gründet nun den hauseigenen Verlag Verlex.
Gewerbeberechtigung? Aber nein! Martin Bugelmüller ist von allem befreit, einschließlich der Steuerpflicht. Er weiß, als bester Jurist Österreichs, mit dem Geschäftsmodell eines Ein-Mann-Vereins darf man alles. Wenn nicht – ach, was solls. Seine Freunde beim UVS Oberösterreich werden doch immer alles für ihn sanieren. So posaunt er es hinaus.
Ein Fachbuch, über Schriftsatzmuster für Behörden, in einer Auflage von 1.500 Stück und zum lächerlichen Preis von 90 Euro pro Stück (einschließlich Mehrwertsteuer, versteht sich), sei bereits ausverkauft. Das wären Gesamteinnahmen von 135.000 Euro, die selbstverständlich ebenfalls unter Bugelmüllers gemeinnützige Selbstversorgung und Steuerbefreiung fallen. Im Hausverlag bietet er nun zwei weitere Werke an, Folgebände werden angekündigt. Die Preise liegen bei gemäßigteren 39 bis 45 Euro (einschließlich Mehrwertsteuer, versteht sich). Faszinierend, mit welcher Beharrlichkeit hier ein Jung-Unternehmer nach oben strebt, den Weg weist, wie man alle nötigen Berechtigungen und Pflichten spielend umschiffen kann.

Ohne Umstände spielt Bugelmüller die Vorzüge seines Geschäftsmodells aus: Martin Bugelmüller und Juridicum Rechtschutzgruppe. Damit man wenigstens nicht gleich auf den ersten Blick erkennt, daß die Begriffe identisch sind. Das seit langem als fixer Bestandteil des Mitgliedsbeitrages angebotene Magazin Verlex – mit großzügigen Kommentaren, wie Bugelmüller stolz hervorhebt – wird nun gleichfalls erstmalig herausgebracht. (Das heißt, alle Mitglieder bisher zahlten umsonst?) Um läppische 55 Euro pro Jahr, oder 17 Euro für das Einzelexemplar (einschließlich Mehrwertsteuer, versteht sich). Für Mitglieder sei es gratis, betont Bugelmüller. Das Wort gratis (kostenlos) mißverstehend. Denn Mitglieder müssen einen Jahresbeitrag von 550 Euro zahlen, um es zu bekommen. Bei nur monatlichen Mitgliedsbeiträgen ist Verlex nicht inkludiert.
Ein gutes Geschäft also. Das Martin Bugelmüller auch brauchen wird. Kündigte er doch an, sich in allen der zahllosen Verfahren, die er führt, von seinem Kanzleipartner Anwalt Christoph Rogler vertreten zu lassen. Der das weder umsonst machen sollte noch dürfte. Ob Anwalt Rogler dann auch gemeinnützig am Verlag Verlex beteiligt ist?
Allerdings trägt Anwalt Christoph Rogler noch ein persönliches Problem um den Hals, nämlich ein Disziplinarverfahren der Rechtsanwaltskammer gegen ihn. Leider war sein Kanzleipartner Bugelmüller so umsichtig, auch seine Tätigkeiten für die Kanzlei Rogler zu veröffentlichen. Etwa die Schriftsätze, die er verfaßte (man merkt es immer an der fast mittelreifen sprachlichen Gestaltung) und von Rogler nur abzeichnen ließ. Oder Vertretungen in Verfahren, zu denen ihn Rogler beauftragte. Obwohl er dafür (ach, diese gemeine Rechtsanwaltsordnung!) eigentlich nur einen zugelassenen Anwalt oder Rechtsanwaltsanwärter nehmen dürfte.
Christoph Rogler und Richter Helmut Neuhauser werden doch sicherlich nichts auslassen, um ihrem Schützling weiterhin jeden Weg zu ebnen.
Martin Bugelmüller war aber schon früher sehr umtriebig. Da tauchten verfängliche Bilder seiner kleinen Schwester Silke auf, die Martin pädophilen Interessenten angeboten hatte. Das Angebot hatte sich anscheinend nicht auf Bilder allein beschränkt. Klein-Silke war schon vor 14 “zu haben”, mit 15 bereits Mutter. Großmutter Heide merkt bis heute nicht, was um sie vorgeht, steckt daher jetzt mit Martins Verein, auf dessen Vorstandsspiel sie sich einließ, selbst tief in der Bredouille.
Mit der Jugendwohlfahrt ist das so eine eigene Sache. Sie verträgt keine Kritik. Wenn sie ein Kleinkind ermorden läßt, so wie Luca, und der Vater wehrt sich dagegen, na, dann nimmt man ihm eben auch die anderen Kinder weg. Maul halten, oder. Martin hingegen verstand und versteht sich mit der Jugendwohlfahrt, Artverwandtschaft, möchte man es nennen. Nach Anzeige eines Nachbarn soll Martin angeblich sein Kind geschlagen haben. Egal ob das stimmt – dort, wo nicht geschlagen wurde, wird sofort abgenommen. Bugelmüller muß das nicht befürchten.
In seiner kindlichen Einfalt (und Unkenntnis gerichtlicher Zuständigkeiten) läuft Martin Bugelmüller zur Zeit in Wien, St. Pölten, Mürzzuschlag, Leoben, Baden, Ybbs, Ried, Perg, Landeck, Hallein umher, wo auch immer er mangelnde Unterwerfung vermutet, um jeden mit Verfahren einzudecken, der seine überragenden Geschäftsfähigkeiten nicht sofort bewundert, verwechselt dabei immer wieder Leute, die er gar nicht kennt, fühlt sich von allen und jedem verfolgt. Möge ihm dieses aufreibende Leben vergönnt sein. Denn die Alternative wäre doch wieder nur Linz-Asten.

 

Nachtrag zum Verleger-Monopoly:

Martin Bugelmüller folgt, so ganz und gar nicht errötend, den Spuren seines Freundes Roland Reichmann. Der betreibt bekanntlich einige Firmen, wie Asap-Soft.com und Best4Y – die nur einen kleinen Fehler haben: Diese Firmen gibt es nicht. Weder in Österreich noch sonstwo. Das hält Reichmann aber nicht davon ab, für seine Dienstleistungen Rechnungen auszustellen, mit Mehrwertsteuer, versteht sich. Überdies findet sich auf den Rechnungen eine falsche UID-Nummer. Die Behörden sind not amused.
Über-Drüber-Jurist Bugelmüller konnte nicht anders, als dieses Lotto-System gleich für sich zu adaptieren. Für die fachmännischen Druckwerke aus eigener Produktion nennt er stolz ISBN-Nummern. Die genauso getürkt sind, wie Reichmanns UID-Nummer. Klein-Martin hat natürlich keine Ahnung, was eine ISBN-Nummer ist und woraus sie sich zusammensetzt. Sein Glück: Die meisten potentiellen Kunden wissen das auch nicht. <Berichtigung: Bugelmüller täuschte einen Eigenverlag namens “Juridicum” vor, erwarb zehn ISBN-Nummern – und geriet damit erneut ins Visier der Staatsanwaltschaft. Selbstredend wurde auch die Kripo Leipzig informiert und wird ihre Augen offen halten.>
Nun ja, Bugelmüller führt, so sagt er, eine Vielzahl von Verfahren aller Art. In denen allen er, so sagt er, durch Anwalt Rogler vertreten wird. (Weshalb eigentlich, da doch Martin Bugelmüller selbst der beste und erfahrenste Rechtsanwalt in ganz Österreich sein soll?) Sicher wird sich ein Verfahren finden, in dem Bugelmüller auch in die Geheimnisse des Buchhandels eingeführt wird. Christoph Rogler wird aber auch selbst in dem einen oder anderen Verfahren Gelegenheit erhalten, einmal zu erklären, was Bugelmüller gegen ihn in der Hand hat, daß er ihn in allen seinen Angelegenheiten so bar jeder Moral unterstützt. Bis dahin hört man Roglers Zähneknirschen quer über die Straße, bis ins Gericht.

(Graulicht)

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