Buchhändler, oder Kinderhändler?

Linz, AT — Martin Bugelmüllers lukratives Geschäft der Winkelschreiberei kam jüngst an der Klippe der Rechts-anwaltskammer zu einem knirschenden Halt. Martin B. selbst scheint das nicht zu merken, bietet sich auf seinen Webseiten und in etlichen Inseraten noch immer an wie gehabt. Sogar ohne zu bemerken, daß der Verein Juridia Justice schon am 23. September 2009 amtlich aufgelöst worden war.

Kategorie: Recht
Titel: Rechtschutzgruppe
URL: http://www.rechtschutzgruppe.at
Beschreibung: Wir helfen Ihnen bei Verfahren vor Gerichten und Behörden! Probleme mit rechtlichen Angelegenheiten? keiner hilft Ihnen? Der Rechtsanwalt ist zu teuer? Kein Problem bei uns bekommt jeder Rechtshilfe zu einem günstigen Preis! Sie brauchen nur Mitglied werden! Tel.: 07252-21972 oder unter http://www.rechtschutzgruppe.at

Über Juridia Justice – Juridicum Rechtschutzgruppe
Der Verein Juridia Justice und Bugelmüller Martin (Juridicum Rechtschutzgruppe), sind eine gemeinnützige Institution gemäß § 8 Abs. 3 Rechtsanwaltsordnung, die es ihnen ermöglicht, Rechtshilfe auf höchstem Niveau anzubieten.
Unser Ziel ist, jedem Österreicher die Möglichkeit einzuräumen, sich gegen ungerechtfertigte Verhaftungen, erniedrigende Behandlungen und jedem anderen Eingriff in seine Rechte zu schützen. Das Hauptaugenmerk von Bugelmüller Martin und Juridia Justice (Juridicum Rechtschutzgruppe), spiegelt das Verwaltungs(straf)recht wider.
Besuchen Sie uns auf unserer Homepage unter http://www.rechtschutzgruppe.at

Rechtsportal gem. § 8 Abs. 3 RAO
des gemeinnützig ausgerichteten Beistandes in rechtlichen Belangen
BUGELMÜLLER MARTIN

Verständlich, denn nach seiner Darstellung endete das Verfahren der Rechtsanwaltskammer gegen ihn mit einem großen Sieg für ihn. Wir werden sehen, wie lange die Kammer zuwartet.
In der Verhandlung am 4. April hatte Martin B. laut verkündet, seine nunmehrige Firma sei ordnungsgemäß eingetragen und würde nur dem Vertrieb seiner Bücher dienen. Von der Richtigkeit konnten wir uns überzeugen. Die ausschließlich in Österreich tätige “Limited”-Firma ist bisher nicht im Firmenbuch registriert. Nur ein Versehen? Nicht so ganz. Eine schriftliche Anfrage an die Londoner Adresse kam zurück, die Firma “JURIDICUM RECHTSCHUTZGRUPPE HANDELS- UND VERTRIEBS LTD.” sei dort unbekannt. Schade, nun werden wir nicht erfahren, ob die Fachbücher nur in Englisch aufliegen, oder auch in deutscher Übersetzung.
Die Firma würde sich nur mit dem Buchvertrieb befassen? Das wäre ein teurer Spaß. Was also bietet Martin B. als kleines Zusatzgeschäft an? “Sie suchen eine seriösen Vermittler für englische Limitedgesellschaften?” Abgesehen vom mangelhaften Deutsch kommen hier Zweifel hoch.
Vermittlung von Limited-Gesellschaften? Auch das wäre ein anzumeldendes Gewerbe. Auch dafür ist die Firma weder registriert noch berechtigt. Da nützt es nichts, wenn sich Freundin Jasmine Forcher vorschieben läßt – Martin B. ist wegen ähnlicher dubioser Geschäfte bereits mehrfach verurteilt worden. Will er da jetzt noch seine Freundin hineinziehen? Das wäre ein übles Spiel.
Sehen wir das Angebot näher an (alle Zitate im Original-Stil).

Auf Wunsch erhalten Sie eigens aufgesetzte Gründungsverträge, mit ausreichendem Stammkapital (mit Ihnen erarbeitet in Englisch und Deutsch!), wo es Ihnen ermöglicht wird, auch ohne Registrierung in Österreich, Arbeitnehmer legal anzumelden und erhalten auch eine Steuernummer bei einem österreichischen Finanzamt, wenn Sie vorübergehend in Österreich Leistungen anbieten!
Weiters ist in diesem Paket, auf Wunsch, eine englische VAT-Nummer (UID-Nummer) beinhaltet, wo Sie europaweit Mehrwertsteuerfrei einkaufen können!

Eine einfache Erkundigung bei der Wirtschaftskammer hätte genügt: Natürlich geht es nicht ohne Registrierung. Natürlich dient eine UID-Nummer nicht dazu, ohne Mehrwertsteuer einkaufen zu können. Hier fehlen Grund-kenntnisse des Wirtschaftsrechts.

Eine Limited hat schon ein ganz anderes ansehen, wenn Sie ein Stammkapital von 2.000,00 GBP oder höher hat! Und das schaffen Sie auch ohne die Barmittel in dieser Höhe.

Hier wird es spannend. Stammkapital ohne Barmittel? Möglichkeiten dafür gibt es schon. Sauber ist keine davon. Martin B. erkennt das selbst, gibt sich scheinbar reumütig:

Leider vergessen viele Gründungsagenturen, dass es nicht der Sinn einer Gesellschaft sein soll, Betrügern oder “schwarzen Schafen” in der Unternehmerbranche, eine Hintertüre für kriminelle Handlungen zu eröffnen.

Und läuft gleich wieder ins offene Messer. Hatte er doch noch vor wenigen Tagen vor Gericht erklärt, nie studiert zu haben, sich nie für anwaltliche Tätigkeiten angeboten zu haben, nie winkelgeschrieben zu haben:

Ich (Martin Bugelmüller), als Prokurist der Juridicum Rechtschutzgruppe Handels- und Vertriebs Ltd. habe genug Rechtserfahrung…

Wir werden sehen, was britische Staatsanwälte zu diesem Geschäftsmodell meinen.

Neue Sparte?

Martin B. berichtet stolz (diese narzißtische Selbstdarstellung benötigt er als Lebenselixir) von einem Ausflug nach Wien.

Mit im Gepäck ein Kind aus dem Heim, dass einen wunderschönen Tag in Wien, im Tiergarten Schönbrunn und dem Wiener Prater verbringen durfte! In dieser Richtung sind größere Projekte geplant!

Ein Heimkind im Gepäck? Zwar ist bekannt, daß Martin B. auf vertrautem Fuß mit der Jugendwohlfahrt steht. Sich einfach ein Heimkind auszuborgen, ist das wirklich so einfach? Bekannt ist der Fall einer Hildegard H. aus Wien-Währing, die sich ein Heimkind aus der Schule mitnahm und behielt. Niemand kümmerte sich darum, Heimkinder sind für die Jugendwohlfahrt letztlich nur Handelsware.
Womit wir beim Geschäft sind. Größere Projekte geplant – steigt die Rechtshandels Limited nun auch in den Kinderhandel der Jugendwohlfahrt ein? Zwar ist Martin B.s Geschäftspartner schon wegen sexuellen Mißbrauchs verurteilt. Doch ist das, wie der letzte Inzest-Fall in Vorarlberg wieder einmal zeigte, kein Grund für besondere Rücksichtnahme. Trotzdem, einem mehrfach Vorbestraften einfach Kinder ins Gepäck zu geben, würde keinem normalen Menschen einfallen.

Spezial-Effekte

Martin B. fährt nicht nur zum Spaß durch die Gegend. Das ist bekannt. Geheimnisvoll erklärte er auch zu seiner Wien-Fahrt:

Weiters konnte Martin Bugelmüller schöne Bezirke in Wien besuchen, die für weitere private Angelegenheiten von besonderer Wichtigkeit waren!

Die Wichtigkeit bleibt dahingestellt. Doch am nächsten Tag erhielten einige Personen ein nettes anonymes Email von ihm. (Martin B. mag vergessen haben, daß er den gleichen Remailer bereits früher verwendet hatte.)

Jetzt wird der Marsch geblasen, nicht alleine unterwegs sein, jetzt kümmern wir uns um euch! Martin belästigen kommt nicht gut. Wir haben ihm viel zu verdanken und jetzt ist Schluss! Keiner weiß wer wir sind, nicht einmal Martin und das ist gut so, weil jetzt macht ihr mit uns Bekanntschaft. Freunde aus Linz! Und wir spielen sich nicht mit euch! Sehen euch und wissen wo ihr wohnt! Jetzt krachts!

Etwas deftig, möchte man meinen. Der Hinweis auf die Freunde aus Linz konnte kaum falsch verstanden werden. Bekanntlich verbrachte Martin B. eine schöne Zeit in der Justizanstalt Linz-Asten. Seine früheren Kontakte mit Drogenhändlern waren ihm dabei zugute gekommen. Seine Kumpane in der Anstalt freuten sich, so heißt es, wenn Martin B. freigehen und kleine Aufträge für sie erledigen durfte, so heißt es. Dieses Hintergrunds bedient er sich fraglos auch für die Drohungen, deren Stil eindeutig auf ihn weist.
Eine Auffälligkeit bleibt dabei auch offen. Schon einige Zeit wird in Steyr gemunkelt, Martin B. würde Drogengelder waschen. So unwahrscheinlich ist das nicht, denn irgendwoher muß er seine Mittel beziehen. Etwa die 5000 Euro für die Firmengründung, nach zuvor abgelegtem Offenbarungseid. Auch das Angebot an prospektive Firmen-gründer, sie bräuchten keine Barmittel als Eigenkapital, klingt dann in einem etwas grauen Licht.
Wird es für Martin B. reichen, sich wieder durchzuschwindeln? Sicherlich. Denn gewerbsmäßige Betrüger sind ja alle anderen, aber nicht er selbst.

(© xlarge.at)

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