Die Kulisse der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Vor einigen Jahren traten Gruppen von Muslimen an die Öffentlichkeit, die sich nicht länger von der „Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich“ (IGGÖ) diskriminieren und schikanieren lassen wollten. Im Zuge der diversen Verfahren gelangten erstmals Aktenunterlagen des Kultusamtes zum Vorschein, die schwarz auf weiß belegen: Die IGGÖ hat niemals existiert.
Das umfangreiche Material läßt hier nur eine Zusammenfassung zu, eine eingehende Verarbeitung und deren Veröffentlichung wird anderswo erfolgen. Unter dem Druck der Öffentlichkeit versuchte die IGGÖ in letzter Zeit, Wahlen für ihre Organe vorzugaukeln. Deshalb soll die Öffentlichkeit über eine der größten Täuschungsaffären der österreichischen Nachkriegszeit erfahren.

Die Vorgeschichte

Nach mehreren blutigen Putsch-Versuchen, unter anderem in Ägypten und in Syrien, waren zahlreiche Mitglieder der radikalen Muslim-Bruderschaft nach Europa geflohen. Sie fanden hier ein reiches Betätigungsfeld vor, da die Europäer – aus kulturellem Unverständnis, aber auch aus purer Ignoranz – mit dem politischem Islam so gar nichts anzufangen wußten, ihn mit Religion verwechselten. Am wenigsten erkannten die Europäer, daß die Muslim-Bruderschaft gewachsene Parteistrukturen benutzt, um ihre eigenen Ziele zu verbreiten und durchzusetzen.
Said Ramadan, einer der engsten Vertrauten und Schwiegersohn des Gründers der Muslim-Bruderschaft, Hassan al-Banna, floh 1958 nach Europa, gründete 1961 im Auftrag der MB das Islamische Zentrum Genf (Centre islamique à Genève). 1962 initiierte Ramadan die Gründung der Islamischen Weltliga, mit dem Ziel der Islamisierung Europas nach den Vorstellungen der Muslim-Bruderschaft. Sein Sohn Tariq Ramadan hält die moderne Propaganda-Maschinerie aufrecht, mit der die MB in der Lage ist, die eigenen Ziele hinter kunstvollen Kulissen zu verbergen und Emotionen anzusprechen (wie es sich besonders wirkungsvoll im Fall der Gaza-Hilfsflotte zeigte).
In Deutschland errichtete die Muslim-Bruderschaft ein engmaschiges Netz islamistischer Organisationen, in derem Zentrum die Islamische Gesellschaft Deutschlands (IGD) steht; ihrerseits Gründungsmitglied der Föderation islamischer Organisationen in Europa (FIOE, 1989). Der IGD blieb das versagt, wofür in Österreich der Boden bereits vorbereitet war – die Stellung einer Religionsgesellschaft.

Machtübernahme

Die kleine Gruppe bosnischer Muslime war 1912 als Religionsgesellschaft anerkannt worden (RGBl. 159/1912). Doch eine organisierte Glaubensgemeinschaft blieb aus, der Bedarf fehlte, kirchen-hierarchische Strukturen sind dem Islam fremd. Said Ramadan erkannte das wertvolle Umfeld: Nicht zentral organisierte Muslime, eine brach liegende Religionsgesellschaft, fehlende Sicherheitsstrukturen in Bezug auf Ausländer, orientalische Feigheit der von Parteibüchern zersetzten Behörden; nicht zuletzt eine araberfreundliche SPÖ, mit ihrem überaus nützlichen Verflechtungsfilz. In dieses Vakuum stieß die Muslim-Bruderschaft hinein, straff organisiert und subversiv erprobt.
Nach mindestens zwei Besuchen in Wien hatte Ramadan die Sache auf der Reihe. Eine kleine Gruppe von Muslimbrüdern gründete am 15.9.1962 den Verein „Moslemischer Sozialdienst“. Ein 1964 aus Syrien geflohener junger Muslimbruder, namens Anas Schakfeh, trat dem Verein rasch bei. Ein knappes Jahrzehnt nur benötigte die MB für die Integration in der politischen Landschaft Österreichs. Am 26.1.1971 beantragt der Moslemische Sozialdienst die Genehmigung der ersten Islamischen Religionsgemeinde. Das Kultusamt reagiert völlig kopflos, erstmalig wird das Islamgesetz aus 1912 gelesen, Meinungen werden eingeholt. Einige davon sind erwähnenswert.
Die Republik Österreich bittet 1972 die Wiener Muslim-Vereinigung, den Vorläufer der staatlich türkischen ATIB, um eine Stellungnahme. Die Antwort ergeht postwendend – von der türkischen Präsidialstelle für Religionsangelegenheiten in Ankara. Soviel dazu, wer wo das Sagen hat. Die Türkei befürwortet den Antrag, dessen Hintergründe und die österreichische Rechtslage nicht kennend. Die abschließende Drohung des Gutachtens, eine „wie immer geartete Beanstandung und Einwendung” werde „als nicht vertretbar angesehen”, zeigt Wirkung, Österreich läßt sich einschüchtern.
In langwierigen Verhandlungen mit mehreren Ministerien und dem Verfassungsdienst bastelt sich das Kultusamt eine eigene Rechtslage, um die Wünsche der Muslimbrüder zu befriedigen. Daß diese weder mit dem Islamgesetz noch mit anderen Gesetzen übereinstimmt, stört niemanden. Schließlich erwartete man maximal 2-3000 Muslime. Die politische Lage in Österreich kam der Muslim-Bruderschaft sehr gelegen. Ein sehr wohl gesonnener Bundeskanzler, eine durch Terror-Anschläge eingeschüchterte Bevölkerung – niemand wagte es, Muslime auch nur schief anzusehen.
Die Botschafter arabischer und anderer islamischer Staaten distanzierten sich von den Intentionen des Vereins, verwiesen auf die politischen Ziele der Muslim-Bruderschaft als Hintergrund. Bestanden auf der Unabhängigkeit des Islamischen Zentrums in Wien-Floridsdorf. Woraus die eigenartige Situation entstand, daß die einzige echte Moschee Österreichs nie zur Islamischen Glaubensgemeinschaft gehörte.
Das Kultusamt war schon damals besonders hilfreich und zuvorkommend, wird zum reinen Erfüllungsgehilfen der MB. Die Statuten der Islamischen Glaubensgemeinschaft wurden gemeinsam mit den Muslimbrüdern erarbeitet, bis ins Detail abgesprochen. Der Akt des Kultusamtes (Zahl 9076/7-9c/79) liest sich wie ein Drehbuch. Schließt unterwürfig mit dem Vermerk, „Ziel: Bekanntmachung islamischen Gedankengutes“.
Sonderbares Drehbuch. Eine Verordnung will man nicht erlassen, die Notwendigkeit des Verordnungsweges sei durch die Einführung deutschen Rechts 1939 weggefallen. (Ein Hoch dem Renner’schen Anschlußgedanken.) Eine Religionsgemeinde könne nur in Anwendung des Anerkennungsgesetzes erfolgen, meint (richtig) das Kultusamt. 1988 taucht plötzlich eine Meinung des Verfassungsdienstes auf, daß dem nicht so sei. Der Verfasser Adamovich begründet aber seine Meinung nicht.
Kultusamtsleiter Karl Anderle kniff alle Augen zu und erläßt am 2.5.1979 einen Bescheid, mit dem die erste Islamische Religionsgemeinde in Wien und gleichzeitig die Verfassung der islamischen Glaubensgemeinschaft genehmigt werden. Der Chef des Moslemischen Sozialdienstes, Ahmad Abdelrahimsai, übernimmt stolz am 4.5.1979 das Dokument.
Was Anderle nicht beachtete (nicht beachten durfte?): Laut Islamgesetz wäre zuerst eine Religionsgemeinde zu genehmigen und dann eine Verordnung zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse zu erlassen gewesen. Erst dann hätten Statuten für die IGGÖ erarbeitet werden können. Doch damals wie heute fehlt Ministerialbeamten das Verständnis für Gesetze.

Stichwort Kulissen

Nun konnte die Muslim-Bruderschaft beginnen, vor der Öffentlichkeit die Kulissen einer Glaubensgemeinschaft zu errichten. Kein anderer Staat ließe sich so leicht an der Nase herumführen. Die genehmigten Statuten sehen eine Wahl für den Gemeindevorstand vor, zur Wahl sind nur Mitglieder des Moslemischen Sozialdienstes zugelassen. Also nur Muslimbrüder? Klar, das war laut Akt der Deal mit der Kultusbehörde. Muslime sind nicht erwünscht, die würden nur stören.
Angeblich am 1.6. und 21.9.1980 fanden dann die ersten – und bisher einzigen – Wahlen in der Islamischen Religionsgemeinde Wien statt. Als Gemeindevorstand gewählt wurden:
Ahmad Abdelrahimsai, afghanischer Staatsbürger; Hussein Salah, ägyptischer Staatsbürger; Ali Tacettin Sogukoglu, türkischer Staatsbürger; Ludwig Eminger, österreichischer Staatsbürger; Ahmet Cerit, türkischer Staatsbürger; Sead Spahi, österreichischer Staatsbürger; Teufic Velagic, österreichischer Staatsbürger; Najmuddin Chamdawala, indischer Staatsbürger
Laut § 9 Anerkennungsgesetz können in den Vorstand einer Religionsgemeinde nur österreichische Staatsbürger berufen werden. Nach den eigenen Statuten der IGGÖ sollten mindestens die Hälfte Österreicher sein. Anderle meint im Akt, drei von acht würden schon passen, und bestätigt die Wahl. Schakfeh erzählt später, die erste Wahl hätte im Austria Center stattgefunden, tausende Muslime hätten teilgenommen. Sein Pech, das Austria Center wurde erst Jahre später gebaut.
Der Moslemische Sozialdienst landet nun sein eigentliches Kunststück – eine frei schwebende Kulisse.
Die Verfassung der IGGÖ aus 1979 sieht eine einzige Islamische Religionsgemeinde vor. Aber die Mitglieder der übergeordneten Organe, der „Landesversammlung“ (später „Schurarat“) und des „Oberseniorates“ (später „Oberster Rat“) sollen laut derselben Verfassung aus gewählten Vorstandsmitgliedern von mindestens vier Religionsgemeinden bestehen. Diese Diskrepanz war niemandem aufgefallen. Wie darüber hinwegkommen?
Mit gewohnter Kaltschnäuzigkeit, versteht sich. Schakfeh und Genossen behaupten bis heute, die IGGÖ habe sich 1979 konstituiert. Ein orientalischer Willensakt sozusagen, aus Sand Fakten zu schaffen, maschallah.
Für die Muslim-Bruderschaft zählen nur zwei Dinge: Macht und Geld, untrennbar verbunden. Abdelrahimsai ging sofort eine wichtige Schiene für beides an. Mit dem Wiener Kulturstadtrat Helmut Zilk wurde ein Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht vorbereitet, das Unterrichtsministerium ließ sich hilflos überrumpeln, der Lehrplan wurde von Minister Helmut Zilk abgezeichnet. Niemand achtete darauf, daß der Lehrplan nur eine einzige Glaubensrichtung des Islam berücksichtigt, daß islamisches Recht (Scharia genannt) und der islamische Staat gelehrt werden. Abdelrahimsai, und nach ihm Schakfeh, stellten mit dem Islamischen Schulamt eine weitere Kulisse auf, kassierten über die Jahre viele Millionen an Gehältern, Subventionen und ähnlichem, für die Vereinskasse.
Zwischen 1983 und 1985 kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb des Moslemischen Sozialdienstes, der nach außen als IGGÖ auftritt. Muslimbruder Abdelrahimsai wendet sich hilfesuchend an seinen Unterstützer, Bürgermeister Helmut Zilk. Kultusamtsleiter Karl Anderle nimmt in einer Weise für Abdelrahimsai Stellung, die weit jenseits behördlicher Unparteilichkeit liegt.

Damit nicht genug, greift Anderle auch noch mit Bescheid vom 27.3.1985 in innere Angelegenheiten der Religionsgemeinschaft ein, manipuliert eine Vorstandswahl, verletzt damit in eindeutiger Weise seine Amtspflichten. Muslimbruder Abdelrahimsai kann dadurch seine Macht absichern, erhebt sich zum Präsidenten des Oberseniorates, wenig später zum Präsidenten des Obersten Rates der IGGÖ.
Doch der Bescheid landet vor dem Verfassungsgerichtshof. Der ein Prüfungsverfahren einleitet und am 29.2.1988 trocken entscheidet (V11/87): Der Genehmigungs-Bescheid vom 2.5.1979 hätte als Verordnung verlautbart werden müssen, wurde aber nicht. Deshalb wird der Bescheid vom 2.5.1979 als gesetzwidrig aufgehoben. Punkt. Aus.
Das Islamgesetz verlangt das Bestehen mindestens einer islamischen Religionsgemeinde. Durch dieses Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes wird die einzige davor anerkannte Religionsgemeinde beseitigt, ab diesem Zeitpunkt ist die Kulisse IGGÖ rechtlich tot.

Arroganz vor Recht

Wäre da nicht die Mondbasis Kultusamt.
Weshalb auch immer – Karl Anderle ignoriert das Erkenntnis des VfGH. Er erläßt am 2.8.1988 eine Verordnung über die äußeren Rechtsverhältnisse der IGGÖ, die doch gar nicht bestand. Ahmad Abdelrahimsai zeigt dem Kultusamt am 26.8.1988 an, daß er als Chef der IGGÖ neuerlich gewählt worden sei (ohne zu sagen, von wem), als sein Stellvertreter scheint der Muslimbruder Ahmet Hamidi auf. Anderle bestätigt ihm am 30.8.1988, daß die ministerielle Genehmigung vom 2.5.1979 weiter gültig sei, und bestätigt am 16.9.1988 die Wahl, beides mit formlosen Schreiben. VfGH-Erkenntnis? Pah, denen zeigen wir es.

Das Fazit dieser ministeriellen Posse:
Bis heute wurde keine einzige islamische Religionsgemeinde in Österreich durch Verordnung genehmigt. Bis heute kann es daher keine Islamische Glaubensgemeinschaft geben, keine Organe einer solchen. Durch die Aufhebung der Genehmigung der Verfassung der IGGÖ sind, versteht sich, auch alle nachfolgenden Änderungen dieser Statuten unwirksam.
Graue Theorie. Unter dem freundlichen Wegsehen der österreichischen Behörden konnte sich die Muslim-Bruderschaft fest im Land etablieren. Die aus Syrien geflohenen Brüder Mohamed Jamal und Aiman Morad übernahmen das Kommando der Muslim-Bruderschaft in Österreich. Jamal Morad setzte sich in den Obersten Rat der IGGÖ, Aiman Morad in den Vorstand des Muslimischen Sozialdienstes – der bis heute an derselben Adresse wie seine IGGÖ-Kulisse residiert. 1996 gründeten Muslimbrüder das „Forum of European Muslim Youth and Student Organizations“ (FEMYSO), gleichzeitig dessen österreichische Teilorganisation „Muslimische Jugend Österreichs“. Mit Leuten wie Aiman Morad, Omar al-Rawi, Tarafa Baghajati löste sich die Muslim-Bruderschaft von der Linie Said Ramadans und knüpfte tiefe Kontakte nach links, bis zum äußersten Rand.
1997 löste Jamal Morad den kranken Ahmad Abdelrahimsai durch Anas Schakfeh ab, die syrische Vormachtstellung in der IGGÖ betonend. Muslimbrüder wie Ahmet Hamidi und Elsayed Elshahed hatten den Bereich Religionslehrer/Religionsunterricht im Griff. Aus dem Nichts tauchten plötzlich Religionsgemeinden in den Bundesländern auf, den Behörden wurden Wahlen vorgetäuscht, Anas Schakfeh setzte persönlich ihm genehme Funktionäre ein. 1998 wagte das Kultusamt schüchtern zu fragen, was es denn mit den zahlreichen ausländischen „Seelsorgern“ auf sich habe, die die IGGÖ nach Österreich einschleuste. Die Antwort war sinngemäß eindeutig: Mischt euch nicht ein.

Bosnische Connection

Die IGGÖ unterstützt die wahabitische Linie des Islam, einer fundamentalistischen Sekte, in Saudi-Arabien Staatsreligion. Anas Schakfeh, als Beamter der saudischen Botschaft, sorgte für den nötigen Rückhalt und dicke Spenden, die in dunklen Kanälen versickerten. Nicht ganz so dunkel. Das Zentrum des Wahabismus in Europa liegt in Bosnien, wird aus Österreich finanziert. Am Jugoslawien-Krieg nahmen viele Mujaheddin teil, wie der später in Ägypten wegen terroristischer Umtriebe verurteilte Imad el Missri, die nach Ende des Bosnien-Krieges zu al-Qaeda und anderen radikalen Gruppen wechselten. Anas Schakfeh nennt sich noch 2006 Präsident der Islamischen Front, der politischen Vorfeld-Organisation der al-Qaeda.
Wichtig war für die Muslim-Bruderschaft in Österreich, die Bosnier einzubinden. Verbindungen waren vorhanden. Die muslimische Bevölkerung des bosnischen Sanzak, mit der Hauptstadt Novi Pazar, war der Anlaß für das Islamgesetz gewesen; ohne Vorstellung, wohin das führen würde. Unter ihrem Führer Yusuf Barcic infiltrierten die Wahhabis die bosnischen Muslime. Wichtigste Unterstützer Barcic‘ in Österreich waren Nedzad Balkan, alias Abu Muhammed, von der Sahaba Moschee in Wien, und Muhamed Porca, vom Verein Tewhid (ZVR 231815464).
Ein enger Vertrauter Porcas, Senad Podojak, wurde von Schakfeh zum Leiter der fiktiven Religionsgemeinde Linz und zum Fachinspektor für den Religionsunterricht befördert. Beides finanziell einträgliche Tätigkeiten. Die Stimme des Großmuftis von Bosnien, Mustafa Ceric, der vor der Zugehörigkeit Podojaks zu den Wahhabi-Extremisten warnte, verhallte ungehört.
Der Bosnier Adnan Buzan, ein weiterer Unterstützer von Barcic, in Wien Imam spielend, war kein unbeschriebenes Blatt. Seine Frau, Badija Khal’il, war die Tochter von Sabri al-Banna, besser bekannt als Abu Nidal, früher einer der Top-Terroristen der PLO. Bruder Irfan Buzan rückte leise an die Spitze vor. Er wurde in den Schurarat und Obersten Rat der IGGÖ gesetzt und übernahm, noch wichtiger, den Vorsitz des Muslimischen Sozialdienstes (ZVR 525110024), in dem auch die Mitbrüder Hamidi und Morad sitzen. Unter der Anleitung der Muslim-Bruderschaft, seit 1998 als Verein Liga Kultur organisiert, amtiert der Bosnier Irfan Buzan damit an zentraler Stelle, als Kulissenmeister der IGGÖ.

Wahlen?

Die Muslim-Bruderschaft arrangierte sich zweckmäßigerweise mit der zweiten starken Kraft in Österreich. Mit Milli Görüs, organisiert als Verein Islamische Föderation. Die Milli Görüs, für ihren radikalen Fundamentalismus, ihren Kopftuch-Fanatismus und kriminelle Verflechtungen bekannt, ließ sich leicht einbauen, verkündet sie doch, die überwältigende Mehrheit der Mitglieder der IF habe sich auf einen dauerhaften Verbleib in Österreich eingestellt.
Einer ihrer Führer, Abdi Tastögen, erhielt gleich wie Podojac den Vorsitz der fiktiven Religionsgemeinde Bregenz und die Schulaufsicht für Vorarlberg serviert. Mit Geld lassen sich goldene Brücken bauen, das wissen Muslimbrüder. Man wollte es nicht zu auffällig machen, also blieb IF-Führer Mehmet Turhan draußen. An seiner Stelle – um die Bedeutung der Milli Görüs hervorzuheben – erielt Fuat Sanac den Vorsitz des Schurarates und einen Platz im Obersten Rat der IGGÖ. Ganz zufällig finden sich die gleichen Personen im Lehrplan der IRPA, in der zukünftigen Religionslehrern der Islam aus Sicht der Muslim-Bruderschaft beigebracht wird.

Selbstverständlich muß auch die Muslim-Bruderschaft einmal zugestehen, daß mehr Türken als Araber in Österreich leben. Deshalb ist Milli Görüs-Mann Fuat Sanac als neuer Leiter der Kulisse IGGÖ vorgesehen, denn die ATIB hätte nur türkische Beamte zu bieten. Um das Ganze gutgläubigen Journalisten schmackhaft zu machen, etwa von Presse und Standard, versucht man eine legale Tünche – man inszeniert Wahlen.
Darin hat die IGGÖ lange Tradition. Die ersten und bisher einzigen Wahlen waren 1980 offiziell innerhalb des Vereins Moslemischer Sozialdienst abgehalten worden. Die Entscheidung des VfGH vom 29.2.1988 hatte selbst diese beseitigt. Wahlen könnten laut Verfassung der IGGÖ nur innerhalb von Religionsgemeinden abgehalten werden. Solche aber bestehen nicht. Keine einzige. Daran ändern auch die Spitzfindigkeiten des Kultusamtsleiters Oliver Henhapel nichts, der seinen Akt und seine Rechtsmeinung auf Zuruf biegt und wendet.
Das Wichtigste bei einer Wahl ist – wer darf wählen? Das kümmerte die IGGÖ nie, bis 2009 registrierte sie keine Muslime, konnte also keine Wähler haben. Wozu auch. Um 2000 herum wurden Wahlen erfunden, Behörden getäuscht. Carla Baghajati – die als Ausländerin nicht gewählt worden sein konnte, aber in den Obersten Rat gesetzt wurde, ist ihr Mann doch ein führender Muslimbruder – verkündete noch 2009, es gebe keine Unterlagen für diese Wahlen mehr. Eigenartig, ein Jahr später tauchten Listen und Protokolle auf, zu schlecht gefälscht, um echt zu sein.
Die Lösung ist einfach: man ändert die Regeln. Schakfehs Außenminister, Mouddar Khouja, schreibt Kultusamtsleiter Henhapel eine neue Verfassung vor, die nirgends mehr mit den Gesetzen übereinstimmt. Typisch österreichisch: Ministerin Claudia Schmied weist Henhapel an, die Verfassung zu genehmigen. Beinhart nützen die Muslimbrüder die Herrschaft des Parteibuches aus. Die genehmigte Fassung paßt nicht einmal mit der vorgelegten zusammen, egal.
Das Islamgesetz bleibt vollends auf der Strecke. „Moscheen und Fachvereine“ – was immer das sein mag – können nun Mitglieder der Religionsgesellschaft sein Jeder Verein kann für je 50 Mitglieder einen Delegierten bestellen. Niemand kann kontrollieren, ob Moscheen Mitglieder haben, ob Vereinsmitglieder Muslime sind, ob sie in Österreich oder im Ausland wohnen. Die IGGÖ erklärt sich offiziell zum Dachverband islamischer Vereine. Diesmal läuft es anders. Der VfGH bekommt die Sache serviert – und schweigt bis heute. Die gegenwärtige politische Situation läßt eben keine Entscheidung gegen die mit der SPÖ eng verflochtene Muslim-Bruderschaft zu.
Muslim-Bruderschaft und Milli Görüs lassen sich nicht gerne stören. Deshalb wird die Latte hochgelegt. Teilnahme an Wahlen in der IGGÖ? Nur gegen Gebühr. Aktuell sollen 27.000 Muslime wahlberechtigt sein (Die Presse), weil sie dafür blechten. Knappe 4 Prozent der Muslime in Österreich. Auch Muslime können zaubern. Denn angeblich hätten bereits in allen (welchen?) Religionsgemeinden Wahlen stattgefunden, mehr als 80 Prozent aller Muslime hätten sich beteiligt. Ungläubige können da nicht mitrechnen. Aber die Organisation paßte. Der Bosnier Irfan Buzar reiste nach Kärnten, organisierte dort eine Wahl und siehe da, Bosnier gewannen. Die anderen wußten eben nichts davon.
Am 15.5.2011 steht die Wahl in Wien an. Die Auswahl der Teilnehmer ist nicht schwer zu erraten, wird doch die Wahl vom Parteifunktionär al-Rawi und dem marxistischen Islamisten Baghajati inszeniert. Carla Baghajati brachte es kürzlich auf den Punkt: Eine Koalition sei schon vereinbart. Wozu also dann noch eine Wahl vortäuschen.
Unverändert bleibt: Liga Kultur und Muslimischer Sozialdienst können sich bequem zurücklehnen, die Macht bleibt in ihren Händen. Sie mit der Milli Görüs zu teilen, stört nicht. Denn auch die nächsten Regierungen werden lieber Schutzgeld zahlen, als gegen Islamisten vorzugehen.

(xlarge.at)

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