Die Muslim-Brüder und die Demokratie

In einem Interview mit der “Wiener Zeitung” stellt sich Mohammad Saad Alkatatny, Fraktionsführer der Muslim-Bruderschaft im ägyptischen Parlament, als lupenreiner Demokrat dar. Nun ist das ägyptische Regime Hosni Mubaraks tatsächlich alles andere als eine Demokratie. Ohne Zweifel gehören auch Alkatatnys Muslim-Brüder zu jenen Oppositionsgruppen, die Ziel staatlicher Repression werden. Allerdings wird man noch lange nicht zu einem Demokraten, nur weil man von einem autoritären Regime unterdrückt wird.
Zur Demokratie gehört eben mehr als nur die Unterstützung durch eine Bevölkerungsmehrheit. Um eine Diktatur der Mehrheit zu verhindern, haben Demokratien Instrumentarien entwickelt, wie die der Gewaltentrennung, Rechtsstaatlichkeit und nicht zuletzt der Trennung von Religion und Staat. Sie sind ebenso essenziell für eine funktionierende Demokratie wie das Wahlrecht.
Hassan al-Banna, der Gründer der Muslim-Bruderschaft, hatte in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in seinem Text “Unsere Mission” offen erklärt, dass der Islam für die Bruderschaft ein allumfassendes Konzept ist, das jeden Aspekt des Lebens bestimmt und für alle Belange eine rigorose politische Ordnung vorschreibt. Genau dieses Islam-Konzept, das im Islam nicht nur eine Religion, sondern auch einen Staat beziehungsweise ein Gemeinwesen sieht, bildet seither die Basis der Ideologie der Muslim-Bruderschaft, die sich nicht zuletzt durch das Exil vieler Muslim-Brüder während ihrer Verfolgung durch den säkularen panarabischen Präsidenten Nasser zu einem weltweit agierenden Netzwerk entwickelt hat.
Wenn Alkatatny nun so tut, als wäre die Muslim-Bruderschaft für einen zivilen Rechtsstaat und nicht für einen islamistischen Gottesstaat, so ist es doch verständlich, dass viele säkulare Ägypter ihm dies nicht glauben. Schließlich demonstriert im Gaza-Streifen gerade die Hamas, die als Kampforganisation der palästinensischen Sektion der Muslim-Bruderschaft in der ersten Intifada gegründet wurde, wie demokratisch mit politischen Gegnern umgegangen wird, sobald die angestrebte Einheit von Religion und Staat hergestellt ist. Alkatatny verteidigte deren Vorgehen im Gaza-Streifen bei seinem Wien-Besuch damit, dass die Macht dort in “einer legitimen Hand versammelt werden” musste.
In Wien hielt er auf Einladung der “Islamischen Liga der Kultur” einen Vortrag. Deren Vorstandsmitglied, der syrische Muslim-Bruder Aiman Morad, ist zugleich Finanzdirektor der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA), der Ausbildungsstätte islamischer Religionslehrer der offiziellen Islamischen Glaubens-gemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Vorwürfe, wonach die Führung der IGGiÖ den Muslim-Brüdern nahe stehe, werden von der IGGiÖ jedoch weiterhin als “Verschwörungstheorien” abgetan.

(Thomas Schmidinger, Gastkommentar, Wiener Zeitung)

3 Responses to Die Muslim-Brüder und die Demokratie

  1. erkan said says:

    Salam!
    Wenn man sich diese Muslimbrüder bei ihrem wöchenlichten Treffen in der Greisseneckergasse
    ansieht, Menschen wie du und ich, keine Spur von radikalität. Geht mal hin lernt die Brüder und
    Schwestern kennen. Es sind liebe Menschen jeder Vortrag wird in deutsch gehalten, es wir immer darauf hingewiesen das wir hier in Österreich leben und unsere Gesetzte Pflicht sind.

    • El Husseini says:

      Das ist aber sehr interessant! Laut Aiman Morad gibt es die Muslimbrüder in Österreich doch gar nicht. Wie können die sich dann in einer “Greisseneckergasse” treffen? Geisterver- oder -beschwörung? Wenn jemand dort hingeht, wird er ganz sicher etwas Unverdächtiges auf Deutsch serviert bekommen. Das kann man dann mit den täglichen Meldung der IMÖ vergleichen, die sind ja auch teilweise in Deutsch. Wir leben schon in Österreich. Dass sich “unsere” Gesetze dann auf jene der Muslimbrüder bezieht, ist auch sonnenklar.
      Keine Spur von Radikalität? Wie denn auch. Man sammelt nur für Hamas und IHH, macht sich doch nicht selbst die Finger schmutzig. Beispiele wie Ägypten, Libyen, Syrien zeigen sowieso, wie gut die Muslimbrüder darin sind, andere für sich die Drecksarbeit machen zu lassen.

  2. Haram says:

    Eine absolute Frechheit, der IGGiÖ zu unterstellen, ihre Führung stehe der Muslim-Bruderschaft nahe! Die Führung der IGGiÖ besteht doch hauptsächlich aus Muslimbrüdern!