ICH-AGs – Risiko für Unternehmer und Kunden

Ein-Mann-Unternehmen, oft auch „ICH-AG“s genannt, sind für viele verlockend, haben aber auch ihre Tücken. Verlockend dann, wenn sich jemand mit seinem Angebot schwer in eine Unselbständigkeit zwängen lassen will; tückisch dann, wenn man das eigene Angebot, den Markt und die Finanzen überschätzt. Trotzdem greifen viele Menschen gern zu dieser Alternative, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Motiven und Motivationen. Oft scheitert die Sache schon an der Ehrlichkeit der Selbsterforschung: Nehme ich die Belastung in Kauf? Sehr oft folgt deshalb Ernüchterung dem ersten Wollen. Dann bleiben zwei Wege: Aufgeben oder Lavieren.
Solche Ein-Mann-Unternehmen decken typischerweise Nischen ab, die für andere oder größere Firmen nicht interessant, nicht lukrativ sind. Das erfordert mehrerlei: Besondere Kenntnisse/Qualifikation auf einem bestimmten Gebiet. Die Bereitschaft zu einem 24/6-Job wenn nötig. Startkapital bis zum Aufbau des ersten Kundenstocks. Weitgehender Verzicht auf Privatleben, auf Urlaub. Stabile Gesundheit. Die Möglichkeit zur Bildung von Rücklagen. Diese Erfordernisse heißen, übersetzt, Belastung. Doch schon das Fehlen einer Voraussetzung kann zum Absturz führen. Mit der unweigerlichen Folge, daß auch der Weg zum AMS versperrt ist.
Nicht unwichtig sind auch andere Grundlagen, besonders betriebswirtschaftliche und gewerberechtliche Kenntnisse, kurz – wann und wie darf ich was. Hinsetzen und Geld verdienen ist zuwenig, auch das rechtliche Umfeld sollte stimmen; Behörden können lästig und unangenehm sein.

Trends

Das österreiche Recht in diesem Bereich ist relativ liberal. Fast jeder darf fast alles; vorausgesetzt, er zahlt dafür. Genau dort aber liegt oft der Fisch im Trockenen. So wie etwa für einen Arbeitnehmer Sozialversicherung und Steuern zu entrichten sind, bleit das auch einem Selbständigen nicht erspart. SVA und Finanzbehörden zeichnen sich durch besondere Humorlosigkeit aus, wollen ihr Scherflein auch dann, wenn noch nichts richtig erwirtschaft ist. Dem sucht so mancher zu entgehen.
Beispielsweise durch gewerbliche Tätigkeit ohne Berechtigung. Ein typisches Beispiel dafür sind etliche „Schlüsseldienste“. Die, vor allem in Städten, Hauseingänge mit Aufklebern ihrer Telefon-Nummer vollpflastern, wie „0664-112 7000“, „0664-943 4442“, „0664-266 7000“, „0676-363 3856“, fast immer nicht registrierte Wertkarten-Nummern. Da erhält man schon einmal die Auskunft, „Wir sind keine Firma, haben keine Adresse, wir sind in ganz Wien mit dem Auto unterwegs“. Ohne Gewerbeschein, ohne Steuern und Abgaben lassen sich da locker höhere Erlöse erzielen. Solange man nicht erwischt wird.
Doch es geht auch anders. Die Gewerbeordnung ist gemein. Vorstrafen, etwa wegen betrügerischer Krida, sind ein glatter Ausschließungsgrund. Pech, Du bekommst keine Gewerbeberechtigung. Findige Leutchen versuchen gern, diese Lästigkeit zu umgehen. Sie melden im Ausland eine Firma an, die sie dann in Österreich führen. Legal? Nicht so ganz. Denn auch diese Firmen sind in Österreich zu registrieren, müssen die einschlägigen Voraussetzungen erfüllen.
Seit Jahren geht der Boom dahin, in Großbritannien Limited-Gesellschaften zu registrieren. Dort werde nicht so genau geschaut, heißt es, und man dürfe in Österreich so gut wie alles (das einem sonst verschlossen bliebe). Alles sei steuerfrei, man bekomme verschiedene Zusatzgeschenke, wie Kreditkarten und anderes. Natürlich werben auch britische Firmen dafür, bieten virtuelle Büros an, die man nach Wunsch und Bedarf mieten kann. Schon eine süße Telefonstimme winkt mit internationalem Flair. Doch umsonst ist nix.
Selbstverständlich ziehen diese Graubereiche Elemente an, die von vornherein nichts Legales im Sinn haben. Für die es nur darum geht, Unwissende oder Leichtgläubige abzuzocken. Mit ein wenig Aufmerksamkeit kann man die gröbste Spreu vom Weizen trennen.

Auffälligkeiten

Worauf ist zu achten, wenn sich jemand als ausländische Firma darstellt, zum Beispiel als „Ltd.“?

1.  Ist die Firma im angegebenen Land registriert und an ihrem Firmensitz erreichbar? Die Registrierung kann man abfragen, die Erreichbarkeit überprüfen. Meist merkt man schon an den Kontaktdaten, aus welchem Land sie stammen. Wenn eine Firma weder telefonisch noch per Post am ausländischen Firmensitz erreichbar ist, dort auch nicht einmal ein virtuelles Büro führt, nur österreichische Kontaktdaten angibt – No go!

2.  Wickelt eine ausländische Gesellschaft in Österreich eine gewerbliche Tätigkeit ab, muß sie im Firmenbuch registriert sein, wie eine GmbH. Leicht abfragbar. Ist sie es nicht – Finger weg.

3.  Stimmen Registrierung und Behördendaten nicht überein, sollte man nachfragen. Jemand, dessen registrierte Ltd.-Firma anders heißt als jene, unter der er sich in Österreich etwa eine UID-Nummer beschaffte, läßt Alarmglocken läuten.

4.  Wem gehört die Firma, wer tritt für sie auf? Personen, die bereits auffällig geworden sind, können meist im Web abgefragt werden. Ein Geschäftsführer mit „Führungserfahrung“, aber gerade erst dem Schulalter entronnen, klingt unglaubwürdig. Tritt ein Prokurist auf, ohne als solcher im Firmenbuch zu stehen, ist etwas faul. Taucht eine Verurteilung auf, kann man darauf schließen, daß die Vorschiebung einer Ltd. nur der Umgehung der fehlenden Gewerbeberechtigung dient. Also Finger weg. In besonderen Fällen sind auch Behörden kooperativ; Behörden wissen, notorisch Kriminelle bedeuten viel Arbeitsaufwand.

5.  Seriöse Firmen haben seriöse Webauftritte; Namen von Verantwortlichen, Firmenbuch-Nummern, Steuernummern sind Pflicht. Selbstverständlich benötigt etwa eine britische Ltd. auch eine britische VAT-Nummer. Fehlt etwas davon, dann fehlt auch die Seriosität. Nennt jemand eine Ltd. mit Fantasie-Namen als Medien-verantwortlichen einer österreichischen Webseite, sollte man hellhörig werden. Wenn dann noch der Geschäfts-führer, einer britischen Firma mit Tätigkeit in Österreich, mit einer spanischen Adresse geführt wird (an der man ihn nicht kennt), steigert sich die Peinlichkeit.

6.  Ein wichtiges Kriterium ist die Qualifikation. Bietet jemand Gründungsberatungen für angehende Firmeninhaber an, auch verbunden mit der Vermittlung von Limited-Registrierungen, muß er als Unternehmensberater qualifiziert sein, ein gebundenes Gewerbe. Ebenso wenn jemand Kredite vermittelt oder Kreditkarten anbietet, dazu ist eine Konzession erforderlich. Fehlen diese Berechtigungen, kann man ziemlich sicher von kriminellen Absichten ausgehen.

7.  Ist die Firma finanziell sauber? Allzu oft werden Leistungen gegen Vorkasse angeboten; man zahlt, doch die Gegenleistung bleibt aus. Bei Firmen, die sich als ausländisch ausgeben, darf man ruhig mißtrauischer sein. Wurde die Firma auffällig? Liegen Insolvenz, Exekutionen, Offenbarungseid vor? Wurde bei Gesellschaften das Kapital eingezahlt? Besser vorher vorsichtig, als nachher durch die Finger sehen.

8.  Was bietet die Firma an, und in welcher Weise? Werden etwa Bücher über eine britische Ltd. angeboten, erwartet man diese in englischer Sprache. Die Nachfrage nach deutschen Übersetzungen empfiehlt sich. Sind die Angebote nur auf Deutsch, kann man davon ausgehen, daß die Firma Großbritannien nur vom Hörensagen kennt.

9.  Natürlich wird man auch Angebote vergleichen. Bietet eine Firma eine Leistung – etwa die Registrierung von Limited-Gesellschaften – zu einem Preis, der weit über dem der Konkurrenz liegt, wird man sich der Konkurrenz zuwenden. Bietet eine Firma Kreditkarten als teure Zugabe, die andere Anbieter gratis dazugeben, braucht man gleichfalls nicht lange überlegen.

10.  Schließlich wird auch zu beachten sein, wie Leistungen angeboten werden. Wenn jemand sich und sein Geschäft wie in einem orientalischen Souk anpreist, aber keine Referenzen bieten kann, sollte man ihm Ehrerbietung erwiesen – und sich einer anderen Firma zuwenden.

11.  Sehr wenig „cool“ finden Kunden es auch, wenn eine Firma nicht oder nur mit großer Verspätung liefern kann, man wiederholt vertröstet wird, und alles den Eindruck erweckt, als würde der Anbieter wieder einmal „sitzen“. Wichtig für das Image einer Firma ist, sie muß erreichbar sein und sauber und in angebotener Zeit liefern können.

Wenige Kriterien sind es nur, die meisten davon unschwierig überprüfbar, ob man sich mit einer Firma, die ihren Sitz im Ausland behauptet, überhaupt näher einlassen sollte. Wenn diese Firma dann noch eine Ein-Mann-Firma ist, sollte doppelte Vorsicht angebracht sein. Im Hintergrund steht immer die Frage, aus welchem Grund diese Firma ins Ausland ausgewichen ist. Genügend echte und saubere Ein-Mann-Firmen sind auf dem Markt, so daß sich oft schon ein zweiter Blick auf einen dubiosen Ersatz nicht lohnt.
Nachsatz: Alle angeführten Beispiele stammen aus dem realen Leben, haben reale Hintergründe. Zufällig kann es vorkommen, daß mehrere oder alle dieser negativen Kriterien in bestimmten Fällen zusammentreffen. Doch eben nur zufällig.

3 Responses to ICH-AGs – Risiko für Unternehmer und Kunden

  1. Offenheit gefragt says:

    Aber warum steht dort
    “Täglich kommt es unzählige Male in Österreich vor, dass in der Privatwirtschaft aufstrebende Unternehmer scheitern, weil sie ihren Geschäftspartnern zu sehr vertrau(t)en sowie im Zuge der Vertrauensseligkeit mit Zahlungsausfällen konfrontiert waren und aus diesem Grunde selbst Insolvenz anmelden mussten! Leider konnten Sie bei der Aufnahme der Selbstständigkeit die Kosten und das geforderte Stammkapital für eine GmbH nicht aufbringen und mussten persönliche Haftungen als Einzelunternehmen eingehen!?”

    Warum sagt sie bei ihrem Angebot nicht, dass ihr Freund Martin nicht vertrauensselig war, sondern wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs und betrügerischer Krida verurteilt worden ist? Kein Leider, sondern Ehrlichkeit, bitte!

  2. Betreibender says:

    Warum nennen sie diesmal den Namen nicht?