Alternativ–Event

Wien, AT – Heiß umfehdet, wild umstritten. So ließen sich die Trauerfeierlichkeiten für Otto von Habsburg an. Sie konnten trotzdem ohne nennenswerte Störungen ablaufen, waren ein Ereignis, dessen historische Bedeutung nur wenige begriffen haben.
Staatsbegräbnis für die Monarchie? Für Otto als Sohn des letzten Kaisers? Höchstens am Rande. Der Vollblutpolitiker Otto von Habsburg hat in seinem politischen Wirken mehr für Österreich getan, als der Großteil der österreichischen Politiker zusammen genommen. Ganz ohne Kaiser zu sein, übrigens. Schon das allein berechtigte ihn, persönlich geehrt zu werden.
Falls jemand geziert über das von Habsburg stolpern sollte: Man wollte Otto nie in Österreich, für die Sozialisten war er das Feindbild schlechthin. Vor allem, da er nicht, wie Renner und Genossen, den Anschluß an das Deutsche Reich anstrebte. Weshalb sollte sich die Benennung Ottos daher an kleinkarierter politischer Gesetzgebung in Österreich orientieren? Deshalb also, von Habsburg.
Über die Trauerfeier selbst ist genug berichtet, genug gelästert worden. Hervor taten sich besonders die Medien, die jede kleinste Gelegenheit nutzten, negative Meinungen ins Licht zu rücken. Interviewt wurden mit Vorliebe Personen, deren politische Meinung weit weg von der Meinung der Bevölkerung steht. Quer durch die sozialistische Medien-Landschaft zog sich dann auch der Sonderbericht, einige Linke hätten sich via „Twitter“ gegen die Trauerfeier ausgesprochen. Twitter? Als ob irgend jemanden dieses Schickimicki-Propagandanetz interessieren würde.
Kritiker hätten sich gegen die Teilnahme österreichischer Politiker ausgesprochen. Nun, sogar Werner Faymann hatte darauf eine passende Antwort: Seine Teilnahme sei eine Frage des Anstandes. Habsburg-Hasser Fischer war da schon eher fehl am Platz. Ernüchternd wirkte seine Vorstellung von Gleichberechtigung, als Fischers Frau allein aus dem Auto steigen mußte, ihr niemand dabei half. Definitiv störend wirkte Maria Rauch-Kallat, die doch erst wenige Tage davor die Frauen in Österreich so brutal blamiert hatte.
Die Teilnahme des Bundesheeres wurde von manchen kritisiert. Auch da ins Leere gehend. Präsent waren eine Gruppe von Generalstabsoffizieren (die sich durch auffallendes Unvermögen, den Gleichschritt zu halten, auszeichnete), sowie eine Abteilung der Garde, die eben gerade diesem repräsentativen Zweck dient, wenn sie sich auch eher nachlässig gab. Das eigentliche Bundesheer konnte niemandem aufgefallen sein, die Miliz tritt üblicherweise nicht in Uniform auf.
Positiv stachen die großen Abordnungen der Tiroler Schützen hervor, aus allen Teilen dieses österreichischen Landes. Der Sarg wurde von Schützen begleitet, getragen, obwohl die Tiroler Schützen schon seit 1809 ein eher gespanntes Verhältnis zum Kaiserhaus hatten. Umso erstaunlicher daher einige Juso-Zwischenrufe, die gerade die Schützen als „Monarchisten“ beschimpften. Doch seit Geschichte kein Pflichtfach ist …
Ausgerechnet aus dem linken Lager kamen auch kritische Worte zur Anwesenheit einer deutschen Uniform. Was natürlich die Kritiker nicht beachteten: Es handelte sich um keine Wehrmachtsuniform, sondern um einen deutschen Marineoffizier in Uniform. Zufällig ein naher Verwandter des Verstorbenen und berechtigt, seine Uniform zu tragen. Die Fülle der übrigen Uniformen wurde von den Kritikanten ohnedies nicht verstanden, deren Geschichtsverständnis mit der Oktoberrevolution und dem Putschversuch des Schutzbundes beginnt.
Zurück zu Otto, von schizo-pathologischen Linken einerseits als Symbol der Monarchie, andererseits als Nazi beschimpft. Otto war beides nie. Doch wie sag ichs den Genossen. Sein offen und hinter den Kulissen geführter Kampf für Österreich, für ein geeintes Europa (von dem die EU weit entfernt ist), wird nun in langwieriger Arbeit aufgearbeitet werden können.
Otto von Habsburg hinterläßt ein tiefes Vakuum. Keines seiner Kinder ist groß genug, in seinen Fußstapfen zu folgen, seine politische Energie mitzubringen, seine intensive Motivation, etwas für die Menschen Europas bewegen zu wollen. Europa dankte es ihm nie, dort regiert noch immer der pure Egoismus, das Unverständnis, besonders die Staaten der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie eng an Europa zu binden. Österreichs Politiker, die es besser wissen sollten, zeichnen sich gerade hierbei durch besondere Ignoranz aus.
Wer Ottos Arbeit fortführen wird, ist noch nicht klar. Klar sollte aber sein: Die Probleme schon Österreichs allein lassen sich nicht mit bösen Bemerkungen gegen den Kaisersohn und mit sinnleeren Debatten um die Bundeshymne lösen. Hier fehlt drückend ein Politiker, der imstande ist, mehr als die Spitzen seiner Schuhe wahrzunehmen. Otto, den niemand wollte, wäre zu seiner Blütezeit ein Hoffnungsträger gewesen.
Die Anwesenheit österreichischer und europäischer Regierungsspitzen bei seinem Begräbnis sollte als Anfang genommen werden, aus dem Schlamm der Unwahrnehmlichkeiten herauszukommen und die Welt der Menschen real zu erkennen.

Abschließend sei eines der wichtigsten Ereignisse am gestrigen Tage hervorgehoben. Der Klang der Pummerin. Diese Glocke ist ein Symbol der Identität Österreichs und wird von echten Österreichern als solches verstanden. Die Pummerin erklang daher gerade bei dieser Gelegenheit zu Recht.

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