Ausreden für Terrorismus ?

In Norwegen wurden über 80 Menschen ermordet. Die Ermittler und halb Europa bemühen sich, Gründe für die Tat zu finden. Weshalb mordet jemand, ohne erkennbaren Anlass?
Wie Hyänen stürzen sich die Medien auf jedes kleinste Körnchen, bauen einen Hintergrund nach dem anderen auf. Anti-islamisch ist er! Christlich-fundamentalistisch ist er! Freimaurer ist er! Als Mitglied eines Schützenklubs war er ein potentieller Mörder! Blond und blauäugig – da kann er nur rechtsextremistisch sein!
Islamistische Vereine nützen die Gunst der Stunde, heben empört den Zeigefinger. Seht, was die Folge von Islamophobie ist! Wer keine Kopftücher mag, kann doch nur ein potentieller Attentäter sein! Politische Parteien allerorten wollen Gesetze verschärfen, den Extremismus von rechts stärker bekämpfen!
Vernünftig zu denken, scheint in solchen Situationen nicht gefragt.

Nüchtern betrachtet, lieferte der Anschlag drei klare Erkenntnisse:

Verschärfte Anti-Terrorgesetze, Video-, Internet- und Telefonüberwachung bringen, ganz einfach, wenig bis gar nichts. Anschläge wie dieser sind dadurch nicht verhinderbar. Hauptgrund dafür: Die Bevölkerung, vor allem in Europa, ist zuwenig sensibilisiert. Aus ideologischen Gründen wird von politischen Verantwortungsträgern einer solchen Sensibilisierung geradezu entgegen gearbeitet. Bei jedem Anschlag wird auf einen „Bekennerbrief“ gewartet, damit hinterlassen die Behörden den Eindruck, keine Hausaufgaben machen zu wollen.

Norwegen ist ein typisches Beispiel für einen pazifizierten Staat. Niemand will Bedrohungen sehen, niemand will sich – real und mental – darauf einstellen. Die Reaktion norwegischer Politiker – man wolle mit noch mehr Demokratie, mehr Toleranz und mehr Offenheit vorgehen – geht völlig am Problem vorüber. Das da lautet:
Es gab keine Sicherheitsvorkehrungen, um einen Bombenanschlag auch nur zu erkennen. Danach herrschte Chaos, erst langsam kam Organisation zum Tragen. Noch schwerwiegender war das Fehlen jeder Sicherheits-vorkehrungen auf der Ferieninsel. Die pazifiziert indoktrinierte Gesellschaft zeigte sich darin, dass eine einzelne Person über eine Stunde lang gemütlich umher spazieren und töten konnte. Niemand war bewaffnet, niemand hatte Mut, dem Täter entgegenzutreten. Ein einziger Bewaffneter hätte dutzenden Menschen das Leben retten können. In diese pazifistische Grundhaltung passt treffend die Tatsache, dass das Einsatzkommando der Polizei nicht einmal einen Hubschrauber zur Verfügung hatte, daher nicht sofort nach Verständigung eingreifen konnte.

Die dritte Erkenntnis wird von Politikern und Medien gleichermaßen negiert. Jemand, der wahllos und anlasslos Menschen tötet, ist ein Terrorist. Nichts anderes.
Hier Unterschiede zu machen, dem Täter ein linkes, rechtes, christliches, fundamentalistisches oder welches immer Mäntelchen umzuhängen, ist falsch. Nur falsch. Um jemanden zum Terroristen werden zu lassen, bedarf es keiner Ideologie. Natürlich ist ein Terrorist auch immer, im menschlichen Sinne, nicht normal. Doch das darf keinen Vorwand bieten, jetzt krampfhaft nach einer Schublade zu suchen, in die man ihn stecken könnte.
Ein Terrorist – ob er jetzt Allah, Marx, Hitler oder irgend eine andere Ausrede vorgibt, ist zu erfassen, auszusieben, zu eliminieren. Schönreden und von Toleranz quasseln bringt bei Terroristen nur ein Ergebnis, nämlich tote Menschen. Terroristen in ein Gefängnis oder eine psychiatrische Klinik zu stecken, bietet ihnen eine weitere Bühne und verursacht oft genug weitere tote Menschen.

Über 80 Menschen hätten sich gefreut, über einen Anders B. zu lesen, dieser sei bei den Vorbereitungen zu einem Anschlag gefasst worden. Diese Freude hätte auf jeden Fall jene überwogen, Trauerzüge mit Kerzchen und Rosen nachgereicht zu erhalten. Das Schwerste ist jedoch, die tief indoktrinierte Mentalität zu überwinden, alle seien doch Brüder (und Schwestern), seien gut und würden friedlich bleiben, wenn man ihnen mit friedlicher Toleranz gegenübertritt. Pazifismus ist der beste Nährboden für Terroristen.

(Patriz Hohenstein)

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