Gewalttäter in Steyr verurteilt

Steyr, OÖ — Einige Zeit war es ruhig gewesen um den einzigen nicht bei der Rechtsanwaltskammer registrierten Anwalt Oberösterreichs. Der Möchtegern-Anwalt war seit 2002 mit unzähligen Verfahren aufgefallen, die er ohne jemals studiert zu haben aus dem Handgelenk schüttelte.
Seine Honorare lagen über normalen Anwaltshonoraren, die gleichzeitigen Zahlungen vom AMS kassierte er nur ganz nebenbei. Erlaubtes Einkommen ging nicht, die Gerichte verzeichnen um die 200 Exekutionen gegen ihn, also lief alles über den Verein.
Einige neue Artikel in den Medien riefen diese eigenartige Figur wieder in Erinnerung. Beim Landesgericht Steyr fehlen die aussagekräftigen Papierbehälter. Deshalb wurde ein Gerichtstermin am 23.10.2014 versäumt, bei dem der beste Anwalt Oberösterreichs wieder einmal vor Gericht auftrat. Diesmal aber als Angeklagter.
Ein schneller Abstecher nach Oberösterreich, Unterhaltungen mit Beteiligten, Sammeln von Unterlagen und das aufschlussreiche Tonbandprotokoll der Verhandlung boten ein buntes Bild.

Martin Bugelmüller war letztes Jahr in ein Insolvenzverfahren geschleudert. Das war nicht vermeidbar, nachdem er seine Wohnung in Steyr und die Wohnung in Schweizersberg bei Windischgarsten verloren hatte. Ohne Miete zahlen geht nichts. Bugelmüller bemühte sich, seinen Umzug in das nahe St. Pankraz nicht bekannt werden zu lassen, aber die Gerichtsvollzieher holten ihn ein.
Die Veröffentlichung in der Ediktsdatei hatte ihn als geschäftsschädigend gestört. Sein Antrag auf Löschung wurde vom Gericht in Kirchdorf abgeschmettert. Bugelmüller verfiel auf eine bessere Idee; sein gesamtes Firmenimperium beruhte immer auf besseren Ideen. Er heiratete ohne viel Umstände seine Sekretärin Jasmine Forcher. Sie war von ihm schon in so manchem schmutzigen Deal benutzt worden und damit zufrieden, besser abgesichert zu sein. Nachbarn erzählten, seine Freundin Elke Gebeshuber, die ihm die Bleibe in St. Pankraz verschafft hatte, sei ganz schön verärgert darüber gewesen.
Martin Bugelmüller nannte sich fortan Martin Forcher und hoffte, der bösen Insolvenzdatei entwischen zu können. Er rechnete aber nicht mit einer Rechtspflegerin aus Kirchdorf an der Krems. Die Rechtspflegerin hatte schon genug Scherereien mit dem lästigen Scheinanwalt gehabt und fügte einfach den neuen Namen in die Insolvenzdatei ein.

Martin jetzt Forcher soll getobt haben, als er davon erfuhr, und soll gedroht haben, jeden dafür Verantwortlichen umzubringen. Fast wäre es soweit gekommen. Einer seiner Gläubiger sah am 07.05.2014 in St. Pankraz nach, ob Martin Forcher wirklich dort wohne, weil ihn der Gerichtsvollzieher mehrere Male nicht angetroffen hatte.
Forcher schilderte die Sache sehr plastisch. Seine Jasmine habe auf den Tisch geklopft und zum Fenster gedeutet. Eine prächtige Kommunikationsvariante im trauten Heimbüro. Draußen habe Martin einen seiner Gläubiger gesehen, den er früher in Foren O.D. genannt hatte und dem er einen Schippel an Verfahrenskosten schuldet. Martin sei hinausgerannt, dem anderen nachgestürmt und habe ihn beschimpft. Weil der andere angeblich seine Fäuste gehoben habe, hätte Martin ihn zu Boden geschlagen. Notwehr, nannte Forcher seinen Angriff vor Gericht.
In den Polizeiakten las sich die Sache anders. Forcher sei dem anderen nachgerannt und habe ihn mit Fußtritten gegen den Kopf von hinten umgelegt. Beim Aufstehen bekam das Opfer dann noch Forchers Faust mitten ins Gesicht. Ein von Forcher erfundenes Betretungsverbot gegen O.D. war durch Rückfrage der Polizei sofort als falsch erfragt worden. Die Polizei kennt den Täter, der sich als Kickboxer ausgibt, schon seit Jahren als gewalttätig, seine Fäuste sitzen sehr locker.
Martin Forcher drückte sich fast drei Wochen lang vor der polizeilichen Vernehmung und wollte dann die erkennungsdienstliche Behandlung verweigern. Das schmeckte der Polizei wenig. Ein Drogentest konnte so spät auch nicht mehr durchgeführt werden.
Weil er gerade in Stimmung war, rief Forcher auch noch einen anderen seiner Gläubiger an und drohte ihm mit der gleichen Behandlung.

mb

Vor Gericht zeigte sich Martin Forcher in einem feschen roten T-Shirt, als Abart seines üblichen Ganoven-Outfits. Gesundheitlich scheint er angeschlagen zu sein, hat mindestens 20 Kilo zugenommen und eilte mehrmals zu den Toiletten, sagten Anwesende. Irgendwann wird es sicher auch einen Drogentest spielen, den Martin schon so lange verhindert.
Zum Überfall redete sich Forcher heraus, der andere hätte ihn angegriffen und seine Brille kaputt geschlagen. Forcher konnte aber nicht einmal die Rechnung für die neue Brille vorzeigen. Fast drei Wochen hatte Forcher versucht, sich der polizeilichen Einvernahme zu entziehen. Diese Zeit nützte Martin, um sich ein filmreifes Märchen zurechtzulegen; er hätte das von ihm angegriffene Opfer nur nach Waffen durchsuchen wollen. Seine Ausreden sind immer köstlich. Die Augenzeugin Renate Heidlmayr war von Forcher so eingeschüchtert worden, dass sie vor Gericht nichts gesehen haben wollte.
Martin Forcher, davor Bugelmüller, stotterte über den Ablauf seines Überfalls so lange herum, bis die Richterin des Landesgerichts Steyr ihm ins Gesicht sagte, er sei nicht glaubwürdig.
Auch Forchers Ausrede, er habe den anderen Gläubiger nicht angerufen, scheiterte an einer Rufdatenerfassung. Martin Forcher hatte auf Frage nach seinen Telefonnummern ausgerechnet die Tat-Nummer verschwiegen. Die Rufdatenerfassung brachte es zutage, er hatte angerufen. Mit einer Nummer, die von Forcher im Internet als Kontaktnummer für seine Firma angegeben worden war.
Martin Forcher hat Freunde im Gericht, die für ihn schon manche Grenze überschritten haben. Diese Richterin scheint nicht dazu zu gehören. Vier Monate Haft, bedingt auf drei Jahre, war das Ergebnis. Forcher half es auch nicht, wieder vorzulügen, er habe ein Jus-Studium. Sein eigener Verteidiger erklärte ihm geduldig die Prozedur zu einer Berufung.

Die Bewährungszeit kommt Forcher sehr ungelegen. Auf ihn warten nämlich noch einige andere peinliche Verfahren. Wegen seiner Webseite hatte er eine Privatanklage bekommen. Forcher versuchte die Anklage abzubiegen, weil die Seite nicht von ihm betrieben werde, sondern von einem Bruno da Costa, einem afrikanischen Rauschgifthändler, der seit 2003 Aufenthaltsverbot genießt und insgesamt sechs Jahre Gefängnis abgeschöpft hatte, vor denen ihn auch Staranwalt Martin Bugelmüller nicht bewahren hatte können.
Besonders lustig wurde es, als Forcher aussagte, seine eigene Webseite werde von der Ehefrau des ominösen da Costa befüllt, die er aber nicht kenne. Er wisse auch nicht, wie die Ehefrau zu Daten komme, die nur er, Forcher, wissen konnte. Die interkontinentale Macht afrikanischer Voodoo-Trommeln schwebte kurz über Steyr. Der Hoster der Webseite, Roland Reichmann aus Kärnten, log als Zeuge wie gedruckt und sagte aus, er wissen nicht, wessen Seite er da hoste. Gegen den oftmals Vorbestraften läuft ein Verfahren in Wolfsberg.
Bruno da Costa – er soll richtig Jorge Patricio Seixas heißen und aus Guinea Bissau stammen – habe an Martin einen Brief geschrieben, den Forcher stolz als Entlastung vorlegte. Der Angeklagte fiel aus allen Wolken, als ihm die Richterin die echte Unterschrift des Afrikaners aus dem Behördenakt zeigte. Sofort brüllte Forcher los, die Behörde habe die Unterschrift seines Mandanten gefälscht. Ein paar andere Fälschungen liegen auch schon bei der Staatsanwaltschaft. Die drei Jahre Bewährung werden sich nicht ausgehen.
Das Privatanklageverfahren ist noch offen, das Tonband war nicht ganz eindeutig.

Martin Forcher, ehemaliger Bugelmüller, ließ es vor Gericht an seinen Qualitäten nicht fehlen. Bis zum Schlusswort wurden andere Leute von ihm unaufhörlich beschimpft, was das Zeug hielt.
Ermahnungen der Richterin und sogar seines eigenen Kanzleipartners, des (echten) Rechtsanwalts Christoph Rogler, der Forcher seit vielen Jahren gratis vertritt, waren erfolglos. Die Streitsucht des Psychopathen ist nicht einbremsbar.
Der Überfallene meinte, für den nächsten Überfall – der nicht ausbleiben wird – schon vorgesorgt zu haben. So leicht käme Forcher nicht mehr feige von hinten heran. Der Bedrohte hat die Tonaufnahme zugeschaltet und kann jederzeit beweisen, was Forcher bei seinen Drohanrufen von sich gibt.

Das Drum Herum war auch nicht ohne. Die Anwaltstour geht nicht mehr so leicht. Deshalb versucht Martin Forcher seit letztem Jahr eine neue Masche – eine Immobilienfirma. Die Abwicklung ist immer die gleiche. Seine Sekretärin gründete einen Verein, Forcher hat sowieso seinen griffbereit in der Hosentasche. Die beiden Vereine zusammen ließen beim Landesgericht Linz eine Firma eintragen, Nummer FN 414790k. Dem Firmenbuch war nicht aufgefallen, dass Jasmine Forcher durch einen klitzekleinen Fehler für ihren Verein nicht einmal vertretungsberechtigt ist.
Immobilienkonzession gibt es natürlich nicht, Anmeldung bei der Finanz auch nicht. Jasmine Forcher residiert als Inhaberin und Geschäftsführerin, mit ihrem Martin als Angestelltem. Das kennt man schon von unzähligen Limited-Scheinfirmen, die Bugelmüller zuhauf angemeldet hatte. Rene Pöllmann, ein Makler aus Wien, wurde zuerst engagiert und als Geschäftsführer angestellt. Sein bestes Angebot, ein Kellerbüro in Wien am Reumannplatz, wäre noch zu haben.

rpg

Auf die Anmeldung bei der Krankenkasse scheint Jasmine Forcher vergessen zu haben, also verabschiedete sich Pöllmann bald wieder. Martin Forcher, der wegen seiner Vorstrafen kein Gewerbe ausüben darf, ließ Jasmine eine Tankstelle in Neuzeug bei Sierning pachten. Jasmine Forcher holte sich dafür die Gewerbescheine in Steyr. Martin hinter der Budel – ist die Kasse auch gut gesichert?
Für die Tankstelle gibt es aber keinen Gewerbeschein, sagt die Bezirkshauptmannschaft. Wie das funktioniert? Die beste Lösung – ein Firmenanwalt! Martin Forcher ist als Rechtsberater bei der Firma seiner Frau angestellt. Das Ausschenken von Kaffee und Sprit füllt nicht aus. Das erste Verfahren wartet schon auf den Profi-Winkelschreiber, die Nichtmeldung der Angestellten. Auf gut deutsch nennt man es Schwarzarbeit. Das zweite auch, weil für die Tankstelle die Berechtigung fehlt. Das dritte winkt schon, denn die Finanz ist böse, weil sie nichts vom Firmenbetrieb erfuhr.
Die Krankenkasse und die Finanz haben die Kommunikation von Jasmine Forcher nicht verstanden. Auf den Tisch klopfen und zum Fenster zeigen.

(Graulicht)

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